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Donnerstag, 29 Juni 2017 21:09

Pressemitteilung des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern e.V. vom 28.06. 2017: Habichtskäuze im Anflug - Mit seinem spektakulären Wiedereinbürgerungsprojekt betritt der VLAB Neuland - breite gesellschaftliche Akzeptanz Empfehlung

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Die traurige Nachricht kam unerwartet. Ein Züchter und Kooperationspartner des VLAB-Habichtskauzprojektes rief in der Geschäftsstelle in Erbendorf an und teilte mit, dass seine beiden erst wenige Tage zuvor geborenen Habichtskäuze nicht mehr am Leben seien. “Wir waren über den Tod der Tiere sehr traurig, beinahe entsetzt”, teilte VLAB-Chef Johannes Bradtka auf der Internetseite des Verbandes mit. “Die wertvollen und seltenen Jungeulen waren nämlich für unser Wiederansiedlungsprojekt fest eingeplant.” Würden noch mehr Tiere sterben? Würde der Projektbeginn vielleicht sogar gefährdet sein?

Doch heute, am 28.Juni 2017, war es dann soweit: Die ersten kleinen sechs Habichtskäuze wurden von den Züchtern, dem Opel-Zoo in Kronberg/Taunus und dem Nationalpark Bayerischer Wald, abgeholt und zur Eingewöhnung in eine geräumige Voliere mitten im Steinwald gebracht. Sobald sie sich an ihren neuen Lebensraum und die ihnen artgemäße Jagd auf Mäuse gewöhnt haben, sollen sie Ende Juli/Anfang August freigelassen werden und sich dann in einem Radius von rund 50 km um das Auswilderungsgebiet verbreiten. Sehr wichtig ist auch, die Jungtiere nicht auf den Menschen zu prägen. Ein Besichtigung der Voliere ist daher nicht möglich. Zwischenzeitlich bringen Helfer des VLAB vierzig Brutkästen für die Vögel an, die von einer Behindertenwerkstatt angefertigt worden waren. Für weitere 30 Kästen hatte der Forstbetrieb Fichtelberg der Bayerischen Staatsforsten die Verantwortung übernommen.

In den kommenden Jahren sollen weitere junge Käuze den “Pionieren” folgen und irgendwann eine stabile, sich selbst tragende Population begründen. Das wäre eine kleine Sensation. Den bisher gibt es in Bayern nur eine Kleinpopulation im Nationalpark Bayerischer Wald und in dessen Randbereichen mit einem hohen Isolations- und Aussterberisiko. Der von Südosten nach Nordwesten verlaufende nahezu zusammenhängende, nur gering fragmentierte und dünn besiedelte Mittelgebirgskamm entlang desSauwaldes (Donau), Böhmerwaldes, Oberpfälzer Waldes, Steinwaldes, Fichtelgebirges und Thüringer Waldes stellt eine herausragende Ausbreitungsachse für die waldbewohnende Eulenart dar. Eine Ausweitung des Habichtskauzbestandes nach Nordwesten ist daher ein wertvoller Puffer gegen bedrohliche Bestandsschwankungen für dessen Kleinvorkommen im Bayerischen Wald und eine Erhöhung der genetischen Variabilität.

Der Habichtskauz soll als wichtige Leitart für verschiedenste Artengruppen dienen, um die Biodiversität und die Lebensräume der Nordbayerischen Kultur- und Waldlandschaften und im angrenzenden Sachsen, Thüringen und Tschechien zu verbessern. Er ist aber auch eine
hervorragende Schirmart (Umbrella Species), die gefährdeten, jedoch weniger öffentlichkeitswirksamen Artengruppen - beispielsweise Pilzen, Insekten und Moosen - Aufmerksamkeit und Schutz verleihen kann. Das VLAB-Habichtskauzprojekt wird über einen Zeitraum von zehn Jahren mit rund 650 000 Euro Kosten kalkuliert. Es ist außerhalb eines Nationalparks für Deutschland bisher einmalig. Die Wiedereinbürgerung stößt auf breite gesellschaftliche Akzeptanz und wird von zahkreichen Organisationen und Unternehmen unterstützt. Alle natur- und tierschutzrechtlichen Genehmigungen wurden erteilt; die IUCN-Richtlinien (IUCN - International Union of Conservation of Nature, Weltnaturschutzorganisation) für eine Wiedereinbürgerung werden eingehalten. Das Gebiet wurde von namhaften Experten (Dr. Friedrich Buer, Prof. Dr. Jörg Müller) als geeignet beurteilt.

Die Protagonisten

Treibende Kraft:

Johannes Bradtka, Förster und VLAB-Vorsitzender

Johannes Bradtka ist Vorsitzender des Vereins für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB). Der 60-jährige ist Förster bei der Bayerischen Forstverwaltung. Bevor er zusammen mit dem Dirigenten und Umweltschützer Enoch zu Guttenberg und zahlreichen weiteren Mitstreitern aus ganz Bayern vor zwei Jahren den VLAB als „konservative“ Alternative zu den großen, etablierten Ökoverbänden aus der Taufe hob, war er viele Jahre beim Bund Naturschutz (BN) in Bayern aktiv.

Zusammen mit der Bürgerinitiative „Unser Hessenreuther Wald“ gelang es ihm 2008, eine geplante Autoteststrecke in dem idyllischen Naturgebiet der Nordoberpfälzer Hügellandschaft zu verhindern.
Bradtka ist leidenschaftlicher Naturliebhaber und ausgewiesener Experte für Flechten und Waldnaturschutz und hat einen Lehrauftrag an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Weihenstephan-Triesdorf inne. Sein Lebensmotto stammt von dem chinesischen Philosophen Laotse:

„Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut."

Porträt im BR-Radio:

http://www.br.de/radio/bayern2/gesellschaft/notizbuch/gruenes-portraet- johannes-bradtka- aus-erbendorf-100.html

Projektleiter:

Andreas Schmiedinger, Diplom-Agrarbiologe und VLAB-Geschäftsführer

Seit 01. Oktober 2015 leitet der 50 jährige Diplom-Agrarbiologe Andreas Schmiedinger die VLAB-Geschäftsstelle in Erbendorf. Nach einem Studium an der Universität Hohenheim bei Stuttgart mit den Schwerpunkten Standortkunde, Waldbau, Pflanzenbau, Ökotoxikologie und Umweltanalytik wirkte der gebürtige Oberfranke bei verschiedensten institutionellen Projekten verantwortlich mit:

Beispielsweise bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), bei der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) oder als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Biogeografie der Universität Bayreuth.

Der Agrarbiologe arbeitete als Koordinator an der Umweltstation „Natur-Kultur Fichtelgebirge e.V.“.
Er organisierte im Rahmen der Erstellung des Pflege- und Entwicklungsplanes für den Naturpark Frankenwald Arbeitskreise mit Behörden und Kommunalvertretern. Als selbstständiger Agrarbiologe widmete er sich vielen Themen und Fragestellungen aus dem Bereich Umwelt- und Naturschutz. Er war auch an einer Reihe wissenschaftlicher Publikationen beteiligt. Für seine Facharbeit „Untersuchungen an Eulengewöllen unter besonderer Berücksichtigung des Sperlingskauzes im Fichtelgebirge“ erhielt er die Ehrenurkunde des Verbandes Deutscher Biologen e.V.

Schirmherr:

Andreas Kieling, Naturfotograf und Tierfilmer

Andreas Kieling, 1959 im thüringischen Gotha geboren, floh 1976 als Sechzehnjähriger aus der DDR.
Er reiste durch Grönland, fuhr mit dem Mountainbike durch den Himalaja, arbeitete als Seemann und Förster. Seit 1990 bereist Kieling als Naturfotograf und Dokumentarfilmer die Welt. Für ihn sind Abenteuer nicht Selbstzweck; sie dienen ihm dazu, das Leben in der Wildnis zu dokumentieren, davon zu lernen, ohne die eigenen Grenzen zu vergessen. Heute ist Andreas Kieling einer der bekanntesten deutschen Tierfilmer; seine Filme wurden vielfach preisgekrönt. Vor allem den großen Grizzlys kam er bei seiner Arbeit besonders nahe. Kaum jemand hat soviel Zeit mit den braunen Riesen verbracht und ist mit den Gewohnheiten und Eigenarten so vertraut wie er. Mehrere Monate im Jahr ist Kieling auf Expeditionen und Drehreisen rund um den Globus unterwegs, vorwiegend in den dünn besiedelten Gegenden Alaskas. Die restliche Zeit lebt Andreas Kieling mit seiner Familie auf einem Bauernhof in der Eifel. Er veröffentlichte Reportagen und Aufnahmen in zahlreichen Tageszeitungen sowie großen Magazinen wie „Geo" und „Stern". Seine Filme werden weltweit über National Geographic Channel ausgestrahlt. Dem deutschen Publikum ist er u.a. durch die ZDF-Serie „Terra X: Kieling – Expeditionen zu den Letzten ihrer Art" bekannt. Für den ARD-Dreiteiler „Abenteuer Erde - Yukon River" wurde er mit dem Panda Award, dem Oscar des Tierfilms ausgezeichnet.

Kieling gehört auch zu den schärfsten Kritikern eines ungezügelten Ausbaus der Windkraft zu Lande und der zum Teil kriminellen Praktiken der „Windmafia“. 2016 veröffentlichte er auf Facebook ein über 1,3 Millionen Mal (Stand Juni 2017) aufgerufenes Video zum „Drama am Himmel“. Dort hält er Vögel, die von Windkraftanlagen getötet wurden, in die Kamera und berichtet über die offenbar absichtliche Zerstörung eines Schwarzstorchnestes, um den Bau von Windräder zu ermöglichen. „Ich bin so wütend, ich könnte kotzen.“

https://www.facebook.com/Andreas.Kieling/videos/10153547311807085/

Johannes Bradtka
Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB)staatlich anerkannte Umwelt- und Naturschutzvereinigung
Registergericht Weiden i.d.OPf | Registernummer: VR 200 146
Hauptgeschäftsstelle D-92681 Erbendorf |Schlossstraße 104 | Tel.: 09682 1831680
https://www.landschaft-artenschutz.de
https://www.facebook.com/landschaftartenschutz/

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Stefan Fügner

Mitbegründer des Deutschen Jagdportals - mehr über Stefan unter TEAM

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