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Sonntag, 04 November 2018 15:02

Überraschende Rücktritte beim LJV Hessen Empfehlung

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Zwei Vorstandsmitglieder legen ihr Amt nieder / „Durch mangelhafte Information in Mitwirkungsrechten beschnitten“

Überraschende Rücktritte beim Landesjagdverband Hessen: Zwei Vorstandsmitglieder haben Ende Oktober ihr Ehrenamt niedergelegt. Die beiden Jagdvereinsvorsitzenden Helmut Nickel und Thomas Schäfer sehen „aufgrund fortdauernd mangelhafter Information durch das LJV-Präsidium und die LJV-Geschäftsstelle keine Möglichkeit mehr, die jagdpolitischen Interessen der LJV-Mitglieder im Vorstand wirkungsvoll zu vertreten“ und sind deshalb zurückgetreten. Darauf weisen beide in einer Presseerklärung hin.
„Vorstandsmitglieder werden über den Haushaltsplan, die Jahresbilanz des Verbandes und dessen Personalpolitik nur unvollständig informiert“, berichtet Nickel, der die Jägervereinigung Oberhessen leitet. Ein Teil des fünfköpfigen LJV-Präsidiums stellt nach Angaben Nickels andere Vorstandsmitglieder immer wieder vor vollendete Entscheidungen. Dadurch würden diese in ihren Mitwirkungsrechten erheblich beschnitten.
Die beiden ehemaligen Vorstandsmitglieder werfen Präsidiumsmitgliedern und LJV-Geschäftsführung vor, in der Einladung zu Vorstandssitzungen nur noch vage die Tagesordnungspunkte aufzulisten, aber keine weitergehende Sachinformationen oder Beschlussvorlagen beizufügen. Manchmal sei aus der Tagesordnung gar nicht ersichtlich, dass zu wichtigen Themen auch Beschlüsse zu fassen seien. Als besonders krasses Beispiel verweisen Schäfer und Nickel darauf, dass eine Abstimmung über die Absegnung der LJV-Jahresbilanz und des Jahresabschlusses von 2017 sowie die Annahme des LJV-Haushaltsplanentwurfs für 2018 im vergangenen April erst während der Vorstandssitzung auf die Tagesordnung gesetzt worden sei.
„Es gab zuvor keinerlei Einblick in das umfangreiche Zahlenwerk“, merkt Nickel an. „Wir sind in der Sitzung mit jeweils einer wenig aussagekräftigen DIN A 4-Seite zur Jahresbilanz 2017 und zum LJV-Haushaltplanentwurf für 2018 sowie mit mündlichen Erläuterungen des Schatzmeisters abgespeist worden.“ Aus den spärlichen Unterlagen sei noch nicht einmal die Zahl der LJV-Erstmitglieder ersichtlich gewesen, die den vollen Mitgliedsbeitrag zahlen. Fragen zu den vorgelegten Zahlen habe der Schatzmeister eher unzureichend beantwortet.
„Der LJV hielt es auch nicht für nötig, uns über seine Stellungnahmen gegenüber dem Umweltministerium zum versuchsweisen Einsatz von Saufängen im hessischen Staatswald sowie zu einer eventuellen Verlängerung des derzeitigen Hessischen Jagdgesetzes zu informieren“, stellt Thomas Schäfer fest. Schäfer fungiert als Vorsitzender des Jagdvereins Wetzlar. Ebenso wenig seien beide in die Entscheidung des LJV einbezogen worden, gegen das hessische Umweltministerium vier Klagen einzureichen, um eine Projektförderung aus der Jagdabgabe zu erhalten.
Kritik üben Nickel und Schäfer auch an der LJV-Personalpolitik. Es seien Mitarbeiter eingestellt worden, „ohne dass wir ihren Namen kannten, ihre Vita zur Einsicht hatten, geschweige denn wussten, welche finanziellen Größenordnungen auf den Verband zukamen“, erklärt Nickel. Die Folge sei ein erheblicher Anstieg der Personalkosten.
Darauf erwidert der LJV in einem Rundschreiben an die hessischen Jagdvereine zum Rücktritt der beiden Vorstandsmitglieder, dass für das Personal nicht der elfköpfige LJV-Gesamtvorstand, sondern das fünfköpfige Präsidium zuständig ist. Die LJV-Satzung besagt dazu: „Über die Einstellung eines Geschäftsführers und des für die Geschäftsstelle erforderlichen Personals beschließt das Präsidium im Rahmen des von der Delegiertenversammlung beschlossenen Haushalts.“ Nickel und Schäfer bezweifeln jedoch, dass die 2019 voraussichtlich stark steigenden Personalausgaben problemlos durch die Einnahmen gedeckt werden können.
Zur Informationspolitik des Jagdverbandes heißt es in dessen Rundschreiben: „Der LJV hat sich zum Ziel gesetzt, seine Mitgliedsvereine sowie jedes einzelne Mitglied stets transparent und zeitnah über Neuigkeiten zu informieren.“ Genau dies bezweifeln jedoch Nickel und Schäfer aufgrund ihrer negativen Erfahrungen als LJV-Vorstandsmitglieder.

Gelesen 167 mal Letzte Änderung am Sonntag, 04 November 2018 15:29
Stefan Fügner

Mitbegründer des Deutschen Jagdportals - mehr über Stefan unter TEAM

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