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Überhege ist der Misserfolg der Hege, oder warum das Regiejagdkonzept Zukunft hat

Den etablierten Jagdpächtern und den Regiejagdbetreibern fehlen erfahrene vor allem professionelle Jäger gleichermaßen
In den meisten Jagdbezirken ist die Verbisssituation nicht so ernst, dass man zu den Maßnahmen des Reduktionsabschusses durch einen Regiejagdbetrieb greifen muss, doch in immer mehr Revieren ist der Verbiss derart offensichtlich, dass die dortigen Jagdpächter um ihre Zukunft bangen müssen.
Die Gründe sind allerorts die gleichen und liegen zum einen in den veränderten Biotopen in unseren Revieren und zum anderen aber am Fehlen von erfahrenen Jägern und Begehern. Dies gilt für Jagdpächter gleichermaßen wie für Regiejagdbetreiber.
Den meisten Revieren fehlt bisher die Ermittlung des Jagdwerts, der überhaupt erst eine für das Revier verträgliche Wilddichte festlegt.
Die etablierte Jägerschaft, die durch die Einführung der Regiejagdbetriebe ihre Vorstellung von Hege bedroht sieht, sollte sich zuvor intensiv mit dem Begriff des Jagdwertes beschäftigen.
Viele Reviere in Deutschland lassen die von vielen Jägern gewünschte Wilddichte überhaupt nicht (mehr) zu. Die etablierte Jägerschaft sollte sich statt der Hege viel mehr mit der Schaffung von Äsungsflächen mit ausreichender Deckung beschäftigen, um dadurch erst höhere Wildbestände durch die Verbesserung des Jagdwertes zu ermöglichen.
Ursache für die Veränderung der Biotope in unseren Revieren sind die riesigen landwirtschaftlichen Flächen, die in den letzten Jahrzehnten entstanden sind und die weder ausreichend Äsung noch Deckung das Jahr über bieten. Ab einer bestimmten Größe müssten diese Großflächen bei der Berechnung der jagdbaren Fläche herausgenommen werden, da sie für das Wild über das Jahr keinerlei nutzen haben. Wenn im Herbst das Schalenwild in der Feldflur durch die Ernte in die Wälder vertrieben wird, weil Deckung und Nahrung außerhalb des Waldes fehlt, bleibt nur noch der Verbiss an den Jungpflanzen im Wald. Je weniger Wald und je größer die Agrarflächen, desto höher der ist der Verbiss an den Jungpflanzen in den wenigen angrenzenden Waldflächen.
Ausgerechnet im Februar und März, wenn das Wachstum der Embryonen, das Schieben des Gehörns, der einsetzende Haarwechsel und die zunehmende Bewegungsaktivität des Wildes nährstoffreiches Futter notwendig macht, ist die Feldflur immer noch leer. Das Schalenwild muss massiv die Jungpflanzen verbeißen, weil es schlichtweg nichts anderes findet. Man schätzt , dass 80% der Verbisses nur in diesen 2 Monaten erfolgt. Schon wenige Rehe können in Revieren ohne Deckung und Äsung in den Wäldern einen Totalschaden erzeugen. Revier mit großen Agrarflächen und wenig Wald vertragen keine Wilddichten, wie sie Jagdpächter zur Hege benötigen. Hege, wie sie von vielen Jagdpächtern betrieben wird, fordert hohe Dichten, um selektiv entnehmen zu können. In Revieren mit wenig Wald und industriell bewirtschafteten Agrarflächen ist das nicht möglich.
Eine Jägerschaft, die sich weigert, in den Revieren mit hohem Verbiss durch höhere Abschusszahlen entgegenzusteuern, werden auf kurz oder lang die Reviere verlieren, weil die mageren Pachten die hohen Schäden durch Verbiss niemals decken. Dies haben längst viele Waldbesitzer erkannt, alleine die Umsetzung der Eigenbewirtschaftung dauert länger, weil geeignete Jäger fehlen, die über ausreichende Erfahrungen und Professionalität verfügen.
Die ersten Jahre des Regiejagdbetriebs brachten viele neue Erkenntnisse, die der etablierten Jägerschaft fehlen.
Man kann in einem Rehwildrevier über mehrere Jahre den Abschuss verdreifachen, ohne das sich danach die hohe Jahresstrecke verringert. Allerdings reicht diese Verdreifachung der Abschusserhöhung auch nicht aus, damit sich an der Verbisssituation etwas gravierend ändert. Diese Erkenntnisse zeigen vor allem, wie brisant die Situation in einigen Revieren ist und dass mit den herkömmlichen Methoden der etablierten Jägerschaft der Überpopulation nicht beizukommen ist.
Die faktisch nicht vorhandene praktische Ausbildung der Jäger ist der alles begrenzende Faktor
Zwar besteht die Jägerschaft über weit mehr als 300.000 Jäger, aber die wenigsten von ihnen verfügen über eine für die Jagd notwendige praktische Jagdausbildung. Es fehlt an den einfachsten Kenntnissen über die Natur, die Auswirkungen des Wetters und zahlreicher anderer Faktoren und das sehr unterschiedliche Verhalten des Wildes über den Jahreszeitraum, das einen häufigen Jagderfolg erst ermöglicht.
Es fehlt vor allem aber an Ansprechroutine, die ein schnelles und sicheres Ansprechen ermöglicht und letztendlich fehlt es an Schussroutine. Insbesondere bei der Ansprech- und Schussroutine sind die größten Defizite, weil in den meisten Revieren Begeher kaum mehr als 2 Rehe erlegen dürfen bzw. können. Die strengen Abschusskriterien, die der Jagdpächter vorgibt und bei deren Nichtbefolgung der Ausschluss von der Jagd droht, können von einem unerfahrenen Jäger gar nicht erfüllt werden. Zu oft unterbleibt die Erlegung durch den unerfahrenen Jäger, weil er seine Jagdmöglichkeit nicht gefährden möchte.
Zudem muss der unerfahrene Jäger viel ansitzen, um überhaupt einmal zur Erlegung zu kommen. Wer so viele Ansitze benötigt, um Erfolg zu haben, bringt eine immense Unruhe in das Revier. Diese viele Zeit des erfolglosen Ansitzens können die meisten Freizeitjäger mit ihrem eigentlichen Beruf in der Regel überhaupt nicht erfüllen. Mit den immer heimischer werdenden Rehen potenziert sich das Problem. Der Freizeitjäger, der versucht, mit einem außerhalb der Jagd ausgeübten Beruf, Schußroutine zu erlangen, scheitert in der Regel.
Regiejagdbetreiber und Jagdpächter verzweifeln immer häufiger an der Masse der unerfahrenen Jäger. Das Regiejagdkonzept offenbart allerdings erst das Dilemma, weil der in der etablierten Jägerschaft üblicherweise entrichtete Hegebeitrag das Problem des Regiejagdbetriebs, mehr Abschüsse zu erbringen, nicht löst.
Insofern ist eine praktische Jagdausbildung nach der Jägerprüfung, die sich an der Erlegung von Wild orientiert , dringender als je zuvor!
Waidmannsheil
Euer
Stefan

Telefon: 0178 6141856
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Die Suche nach einem Begehungsschein – die erste große Herausforderung nach der Jägerprüfung

Von der Jägerprüfung zum ersten erlegten Stück ist es oft ein langer steiniger Weg Foto: Jagdverein Lehrprinz
Kaum ist die Jägerprüfung bestanden und hat sich die Freude über das Erreichte gelegt, stellt sich für viele Jungjäger ohne Kontakte in die Jägerschaft die Frage nach einer Jagdmöglichkeit.
Doch wie bekomme ich die Möglichkeit, das aktive Jagen zu erlernen?
Jungjäger und Jungjägerinnen, die sich auf die Suche machen und sich auf Angebote von Begehungsscheinen von Jagdpächtern bewerben, sollten nachfolgenden Artikel aufmerksam lesen. Ich führe hier ausschließlich jagdliche Kriterien bei der Prüfung eines Begehungsscheines an. Die Würdigung der rechtlichen Grundlagen eines Begehungsscheins überlasse ich den Juristen.
Auslöser meiner Ausarbeitung sind die vielen Anrufe von verzweifelten Jungjägern, die glauben, von einem Jagdpächter übervorteilt worden zu sein. Doch nach einem längeren Gespräch relativiert sich dieser Eindruck, weil man unbedacht und ohne Prüfung das Angebot eines Begehungsscheines angenommen hat. Alleine die Schuld beim Jagdpächter zu suchen, greift aber oft zu kurz. In der Regel sind Jagdpächter und Begeher gleichmaßen voneinder enttäuscht. Deshalb hier einige Tipps an unerfahrene Jungjäger, wie man im Vorfeld das Angebot eines Begehungsscheines prüft:
Begehungsschein am Ort versus Intervalljagd weit abseits der Ballungsgebieten
Zunächst sind Angebote von Begehungsscheinen in Ballungsgebieten und deren Umland sehr gering und die Menge der Jungjäger ist weitaus größer, als das Angebot. Dies treibt die Preise von Begehungsscheinen in Stadtnähe in oft unerschwingliche Höhen. Auch ruft es den einen oder anderen Glücksritter auf den Plan, der mit unerfahrenen Jungjägern das große Geschäft wittert. Viele Jungjäger schätzen Anfahrt ins Revier und die Zeit für Ansitze völlig falsch ein und schnell wird das vermeintlich nahe zum Wohnort befindliche Jagdangebot zum raubenden Zeitfresser, der Partnerschaft und Familie belastet. Um hier Abhilfe zu schaffen, sollte man zur Intervalljagd greifen. Ich selbst bin viele Jahre lang immer nur zu den bewegungsaktiven Zeiten des Wildes in sehr abgelegenen Gebiete zur Jagd gefahren und habe dazu immer einige Tage Urlaub genommen, damit sich die weite Anfahrt auch lohnt. Eine Woche Jagd in einem abgelegenen Großrevier weit ab der Ballungsgebiete ohne Naherholungssuchende und ohne Jagddruck durch weitere Begeher mit tagaktivem Wild entschädigte mich immer für die lange Anreise. Auch spielt hier weit abseits der Ballungsgebiete der Hegebeitrag wenn überhaupt eine untergeordnete Rolle. Heute wohne ich über 60 km von der nächsten Autobahnauffahrt entfernt und alle, die bei mir für einige Tage in den Jagdintervalllen zur Jagd kommen, genießen die Einsamkeit der Natur mit tagaktivem Wild. Fast täglicher Wildanblick trotz mehrere Wolfsrudel garantieren den Jagderfolg.
Erfahrene Jäger nehmen lange Anfahrten in Kauf und ziehen solche Jagdgebiete den stadtnahen Revieren immer vor!
Wieviel Begeher verträgt ein Jagdrevier?
Diese Frage wird auf Jägerstammtischen oft und ohne ein greifbares Ergebnis stundenlang diskutiert. Auch hier ist alleine das Jagdmanagement des Jagdpächters oder seines ihn vertretenden Jagdleiters entscheidend. Als Faustformel gilt: Je größer der Anteil der jagenden Personen in einem Revier, desto konsequenter und disziplinierter ist das ausnahmslose Einhalten der Jagdruhe außerhalb der Jagdintervalle einzuhalten. Das Einhalten der Jagdruhe zwischen den Jagdintervallen gilt übrigens somit auch für den Jagdpächter!
Prüfe ich das Angebot eines Begehungsscheines, ist nicht nur die Frage nach weiteren Begehern obligatorisch, sondern vor allem die Frage nach den Jagdintervallen und der Jagdruhe.
Eine hohe Dichte von Jägern in einem Jagdrevier setzt eine sehr disziplinierte Jagdorganisation des Jagdpächters voraus, die man beim ersten Besuch auch erkennen kann. Reviere unter 500 ha verkraften kaum mehr als 1 aktiven Jäger pro angefangene 100 ha. Größerer Reviere verkraften auch größere Dichten an Jägern, wobei auch bei der Größe des Revieres gilt:
Je kleiner das Revier, desto strikter ist die Jagdruhe einzuhalten.
Welche realen Chancen habe ich, das freigegebene Wild zu erlegen?
Immer wieder sieht man Angebote von Begehungsscheinen, bei denen wenig zum Revier geschrieben wird, aber mit großzügigen Freigaben von verschiedenen Wildarten gelockt wird.
Jedem Jungjäger muss klar sein, dass es kein Jagdrevier gibt, auch wenn es noch so wildreich ist, in dem man einem Jäger Abschüsse garantieren kann. Selbst hohe Wilddichten sorgen nicht bei jedem Jäger für Jagderfolg. Der erfolgreiche Jäger verfügt über langjährige Erfahrung, um zu sehen, wo im Revier und zu welcher Zeit seine Chancen groß ist, Strecke zu machen. Über diese Jagdroutine verfügt in der Regel kein einziger Jungjäger. Unlängst sagte mir ein von mir ausgebildeter Jäger, dass er heute ein vielfaches an Wild sieht und erlegt, weil er Wald, Wiesen, Felder und die Natur im allgemeinen völlig anders sieht und alles wesentlich schärfer und genauer beobachtet, als er es vor seiner Jägerprüfung tat.
Der Jagderfolg hat viel mit Naturbeobachtung zu tun und weniger mit den Schießkünsten des Jägers.
Das Verhalten des Wildes im Zyklus der Jahres- Tages und Nachtzeiten zu erlernen, um die notwendige Ansprech- und Schussroutine zu erreichen, sollten beim Jungjäger ganz oben auf der Agenda stehen, aber nicht die Menge der freigegebenen Stücke.
Ein straffes, gut organisiertes professionelles Jagdmanagement durch den Jagdpächter oder seines ihn vertretenden Jagdleiters ist das oberste Gebot einer funktionieren Jagd.
Als allererstes vorweg: Den Begeher, der für 2.000 Euro Hegebeitrag ein 500 ha Revier tiptop in Ordnung hält und das erlegte Wild verarbeitet und vermarktet, den gab es nie, den gibt es nicht und den wird es auch nie geben!!!
Wer sich um einen kostenpflichtigen Begehungsschein bewirbt, der sollte seinen Anspruch an eine professionell organisierte Jagd auch geltend machen. Es ist die Aufgabe der Jagdleitung für eine saubere, von der Behörde abgenommenen Wildkammer zu sorgen. Die Hochsitze sollten sich in einem aus berufsgenossenschaftlicher Sicht tadellosen Zustand befinden. Ein Hundeführer, der beim Bergen und Aufbrechen hilft, ist ebenso obligatorisch, wie die Organisation einer professionellen Verarbeitung und Vermarktung des erlegten Wildes durch die Jagdleitung.
Anzeigen, in denen ein Jagdhelfer für Revierarbeiten gegen Hegebeitrag gesucht wird, der dann noch das erlegte Wild in den Kofferraum geworfen bekommt und es zahlen soll, zeigen nur, dass es in diesem Revier beim professionellen Jagdmanagement noch viel Luft nach oben gibt.
Ein Jagdpächter, der von einem Begeher mehrere 1.000 Euro Hegebeitrag fordert, muss einen kompletten professionellen Jagdservice vorweisen können, wie ich ihn bei jeder Jagdreise im Ausland angeboten bekomme.
Bei einer vor dem Abschluss des Begehungsscheines stattfindenden Revierbesichtigung ist diese Professionaltät in der Jagdleitung immer erkennbar!
Zusammenfassung: Natürlich geht man mit dem Abschluss eines kostenpflichtigen Begehungsscheines das Risiko ein, als Jungjäger von einem erfahrenen Jagdpächter übervorteilt zu werden. Auch gibt es zumindest in Ballungsgebieten und den umliegenden Landkreisen wenig Angebote und viel Nachfrager. Wer aber ein Angebot dahingehend prüft, ob das Revier durch eine professionelle Jagdorganisation geführt wird, der kann sich viel Ärger ersparen. Ansonsten kann ich immer wieder dazu raten, sich bei erfahrenen Jägern die notwendigen Rat zu holen.
Waidmannsheil
Euer
Stefan
Mobil 0178 6141856
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