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Kolumne Jagd-Heute  -  Lobby von Rebhuhn und Reh

1.4.2021 -  Ein Teil der Jägerschaft, besonders der um Bewahrung junger Traditionen bangende konservative Flügel, protestiert vehement gegen das geplante BJagdG. Unterstützt wurden die Protestler – selbstredend – vom Jagdboulevard und einer Handvoll alter weißer Männer (und noch weniger instrumentalisierter Frauen), die akademische Titel tragen und den Jagdverbänden seit Jahren brav zur Seite springen, wann immer sie sollen.

Was nun passiert ist, hat sich seit Jahren abgezeichnet: Die wütenden Jäger haben sich unbemerkt mit dem radikalen Tierschutz verbündet! Schon seit Jahren zerren Rotwild-Fans mit Revieren in den Kerngebieten gegen mutmaßlich nicht weidgerecht jagende Reviernachbarn - gerne aus dem Forst - vor Gericht, um diese wegen Tierschutzvergehen verurteilen zu lassen. Zwar erfolglos, wie in fast allen Fällen in NRW, aber die Denunziationen erzielen dennoch Wirkung. Denn mit jeder Anzeige wird der Eindruck erhärtet, dass „der Forst“ die Bösen sind, weil ihm Tierschutz ja schnuppe ist. In die Hochphase des „Rotwild-Krieges“ (vom Jagdverband ausgerufen, vor Gericht gebracht und dort verloren...; RWJ 09/2015) fällt auch das letzte Aufflackern des Leitbachen-Paradigmas. Kein Zufall. Den mit der permanenten Überbetonung des Selbstverständlichen – des Muttertierschutzes – erreichten die besorgt wütenden Hegebeauftragten, dass „der“ Tierschutz immer aufmerksamer auf das Thema gemacht wurde. Vielleicht wurde deshalb allmählich wieder von der Strategie „Totaler Muttertierschutz“ abgelassen. Diese hatte offensichtlich zum Ziel, Alttiere und Bachen möglichst komplett vor Abschüssen zu verschonen, um so die sprudelnden Quellen der Reproduktion zu sichern. Jetzt also ist dieser Irrsinn den Strategen von damals auf die Füße gefallen. „Der“ Tierschutz ruft in einer Petition gegen das BJagdG und einen „Wald ohne Jäger“ auf – und zehntausend Jäger unterschreiben! (DJZ-online am 11.3.212).

Der Keil, den Jagdverbände und Boulevardpresse in die Jägerschaft getrieben haben, sitzt offenbar so tief, dass an dessen Ende die (ehemaligen) Jäger lieber zum Tierschutz wechseln, als auf der Drückjagd auf Rehe zu schießen, von denen es in Deutschland mehr gibt als jemals zuvor!   (weiterlesen)

Radikaler Tierschutz

Diplom Landschaftsökologe
Landschaftsgärtner
33 Jahresjagdscheine
Oberbergischen "Familienrevier" 1988 - 2020
Studium 1995-2001 an der WWU- Münster/ Westfalen
Diplomarbeit (2000): "Empfehlungen für eine naturschutzorientierte Jagd im NSG Krickenbecker Seen unter besonderer Berücksichtigung der Wasservögel"