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Das Märchen vom Wolf

Eigentlich sollten die großen Raubtiere vom Löwen bis zum Wolf die Ökosysteme, in denen sie leben, stark formen. Aber die Natur hält sich nicht immer an die Spielregeln.

Im Sommer 2008 fuhr Kristin Marshall, damals noch Studentin, durch den Yellowstone-Nationalpark in Wyoming. Sie kontrollierte regelmäßig die Weidensträucher im Park – vor allem um herauszufinden, wie häufig Rothirsche daran gefressen hatten. Marshall parkte am Straßenrand und wollte gerade zu einer ihrer Forschungsstätten wandern, als sie zufällig zwei Frauen begegnete. Die Schwestern aus dem Mittleren Westen fragten, was sie gerade mache, und sie antwortete: "Ich bin eine Wissenschaftlerin und erforsche diese Weiden da unten." Die Touristinnen schwärmten: "Wir haben eine Naturdokumentation rund um das Thema im Fernsehen angeschaut. Und darin hieß es, dass es den Weiden viel besser geht, seitdem die Wölfe ins Ökosystem zurückgekehrt sind." Marshall hielt kurz inne. "Ich wollte nicht sagen: 'Nein, da liegen sie falsch – tatsächlich steht es nicht so gut um sie'."

Stattdessen entgegnete sie: "Die Sache ist vermutlich ein wenig komplizierter, als im Dokumentarfilm dargestellt." Damit war das Gespräch beendet; die Touristinnen schienen nicht sonderlich interessiert an der komplexeren Wahrheit – nämlich dass Biber und eine veränderte Hydrologie möglicherweise entscheidender für die Erholung der Weidenbestände sind als Wölfe. "Ich kann es ihnen nicht verdenken", sagt Marshall, die nun als Ökologin bei der US-amerikanischen National Oceanic and Atmospheric Administration in Seattle, Washington, arbeitet. "Was man da im Fernsehen sehen kann, ist reizvoll." (weiterlesen)

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