Schüsseltreiben – relativ reich und relativ arm
von Dr. Florian Asche
Der kynische Philosoph Diogenes von Korinth galt als besonders bedürfnislos. Nicht umsonst soll er in einer Tonne gelebt haben. Eines seiner wenigen Besitzstücke war eine Wasserschale. Er zerbrach sie als er ein Kind aus der hohlen Hand trinken sah. Eines Tages dreht er sich auf dem Markt von Korinth im Kreis, lachte und stellte für sich fest: „Wie glücklich bin ich doch, so viele Dinge zu sehen, derer ich nicht bedarf!“ Als Alexander der Große nach Korinth kam, da wollte er die berühmte Bedürfnislosigkeit des Diogenes auf die Probe stellen und ihm versprach, jeden seiner Wünsche zu erfüllen. Doch der Philosoph hatte nur eine Bitte: „Gehe mir aus der Sonne!“.
Das ist sehr lang her.
Wir hatten Familienjagdtag. Die Strecke ist verblasen und wir sitzen mit Freunden, Hundeführern und Treibern zu Hause am gedeckten Tisch. Den üblichen Mecklenburger Rippenbraten hat es gegeben, Sauerkraut und Klöße, der Jagdkönig ist gekürt und das Jagdgericht bereits abgehalten. Nun stehen die Schnapsflaschen auf dem Tisch und die Luft beginnt sich vom Zigarettenrauch zu sättigen. Nun verrinnen die Stunden, in denen wir uns noch ganz und gar im eigenen Biotop fühlen. Ich fühle mich wie in einer Burg, an der die Zugbrücke hochgeklappt ist. Wer an der Alster arbeitet, der lebt ja eigentlich nicht mehr richtig in Deutschland, sondern in einer internationalen, urbanen Wirtschaftszone, die früher einmal Hamburg hieß. Deutschland, dieses gemütlichkeitsgesättigte, etwas melancholische, warme Lebensgefühl der Heimat mit den seltsamen Ritualen, das gibt es nur noch abseits der Städte. „Heimat“ ist ebenso auf dem Rückzug wie ein Sternenhimmel, der nicht vom Lichtsmog vernebelt ist. Wenn man für Heimat ein neues Ministerium einrichtet, dann kann es mit ihr nicht allzu gut stehen. (weiterlesen)


