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Die Deutsche Wildtier Stiftung sagt, warum Rebhuhn-Küken in Deutschland kaum noch Überlebenschancen haben

Hamburg/ Göttingen, 4. Juli 2017. Feld und Wiesen sind zurzeit eine einzige Kinderstube. Als Nesthäkchen aller Tiere kommen jetzt im Juli die Rebhuhn-Küken auf die Welt. Aber während Entenküken oder Jungtauben genug Futter finden, müssen Rebhuhn-Küken schon vom ersten Tag an ums Überleben kämpfen. „Die Küken-Sterblichkeit ist in den vergangenen Jahrzehnten enorm gestiegen“, sagt Dr. Andreas Kinser von der Deutschen Wildtier Stiftung. Wildbiologen sind sich da einig: Der Mangel an geeignetem Lebensraum für Brut und Kükenaufzucht ist die Hauptursache für den Rückgang des Rebhuhnbestands in Deutschland. „Europaweit ist die Rebhuhnpopulation seit 1980 um 94 Prozent eingebrochen. Die Küken verhungern schlichtweg“, berichtet Kinser.
Als Nestflüchter folgen Rebhuhn-Küken ihren Eltern auf Schritt und Tritt und lernen so ganz schnell, wo sie ihr Futter finden. Der gerade erst geschlüpfte Nachwuchs lebt fast ausschließlich von tierischem Eiweiß. Vor allem Ameisenlarven stehen auf ihrem Speiseplan, die meist auf lichten Bodenstellen und an Feldrändern zu finden sind. Und genau hier liegt das Problem: Durch die intensive Landwirtschaft gibt es quasi keine offenen Bodenstellen mehr, auf denen Ameisen und andere Insekten existieren. Der häufige Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft gibt den letzten Insekten den Rest.

Damit das Rebhuhn wieder auf die Beine kommt, unterstützt die Deutsche Wildtier Stiftung ein Projekt der Universität Göttingen (siehe Infobox). „In unseren Untersuchungsgebieten legen Landwirte strukturreiche Blühflächen für die Rebhühner an.“, erklärt Projektleiter Dr. Eckhard Gottschalk von der Abteilung Naturschutzbiologie der Universität Göttingen. „Das Besondere daran ist, dass es einen Teil mit älterer Vegetation gibt, in dem die Altvögel genügend Deckung zum Brüten finden, und einen frisch eingesäten, lichten Vegetationsbereich, in dem sich die Küken an Spinnen und Larven satt futtern können“, so Gottschalk weiter. In den frisch eingesäten Bereichen der Blühflächen ist die Insektendichte vier Mal höher als in einem Getreideacker.

Als sogenannte Agrarumweltmaßnahmen werden diese freiwilligen Artenschutzleistungen der Landwirte mit einem finanziellen Ausgleich des Landes Niedersachsen oder durch Projektmittel honoriert. Allerdings: Die öffentlichen Mittel für solche wertvollen Leistungen sind knapp bemessen und nur wenige Landwirte nehmen an Agrarumweltmaßnahmen teil. „Der Löwenanteil der landwirtschaftlichen Förderung wird im Moment per Gießkanne verteilt. Damit wird es keine Trendwende beim Rebhuhn geben“, so Andreas Kinser. „Wir fordern eine gezielte Unterstützung von Landwirten, die bei der Produktion Rücksicht auf Wildtiere nehmen!“

 

Schießstand

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Auf den Flächen der Deutschen Wildtier Stiftung in Mecklenburg-Vorpommern blüht jetzt die vom Aussterben bedrohte Orchidee in zartem Violett

Klepelshagen, 28. Juni 2017. Zart und unauffällig reckt sich das steifblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata) auf der Kienbruchwiese in Klepelshagen der Sonne entgegen. Auf den weißen, winzigen Blütenkelchen ein zartes Leopardenmuster in Violett. Unaufdringlich, aber betörend, verströmt es seinen süßen Duft. Eine Diva, die im Stillen glänzt. Das Tragische an ihrem Schicksal: Während berühmte Verwandte wie die hochgezüchtete Zimmerorchidee (Phalaenopsis) auf Platz drei der beliebtesten Blumen aller Deutschen steht, kämpft das Knabenkraut ums Überleben. Auf der 1,5 Hektar großen Kienbruchwiese der Deutschen Wildtier Stiftung in Klepelshagen wächst die hochbedrohte Sumpfblume in aller Bescheidenheit. Und das nur, weil sich ein Mitarbeiter der Deutschen Wildtier Stiftung liebevoll um die bedrohte Wiesen-Schönheit kümmert.

„Ihr Seltenheitswert und die hohen Lebensansprüche machen diese Orchidee so besonders“, sagt Michael Tetzlaff, Orchideen-Experte und Landschaftspfleger der Deutschen Wildtier Stiftung.

Wie alle Diven dieser Welt hat auch das steifblättrige Knabenkraut hohe Ansprüche. „Das größte Problem aller wilden Orchideen ist das rasante Verschwinden ihrer Lebensräume“, erklärt Michael Tetzlaff. „Das steifblättrige Knabenkraut etwa braucht ausschließlich Feuchtwiesen – und die hat der Mensch längst trockengelegt!“ Auch ein Nährstoff-Überschuss im Boden, der durch Überdüngung in der Landwirtschaft entsteht, macht es den Orchideen schwer. Knabenkraut blüht nur auf einem nährstoffarmen und kalkhaltigen Boden. Außerdem braucht es im Winter nasse und im Sommer trockene „Füße“.

Die Orchidee ist außerdem von der Bewirtschaftung durch den Menschen abhängig. „Steht das Gras zu hoch, wird das Knabenkraut einfach überwachsen – es mangelt ihm dann an Luft und Licht; die Wurzeln verkümmern und die Orchidee stirbt.“ Was früher Schafe und Kühe weggefressen haben, muss heute mühevoll von Hand weggeschnitten werden. Deshalb greift Tetzlaff selbst zur Sense. Das kostet Zeit und Engagement. „Wenn wir uns nicht für das Knabenkraut einsetzen, blüht es im nächsten Jahr nicht mehr.“

Der Lebensraum „Feuchtwiese“ ist wertvoll. Nachhaltig genutzte Flächen in Klepelshagen sichern seltenen Pflanzenarten einen geschützten Lebensraum. Darunter finden sich viele, die wie das steifblätterige Knabenkraut auf der Roten Liste stehen.

Kostenloses Bildmaterial: www.Presse.DeutscheWildtierStiftung.de

Eva Goris
Pressesprecherin
Telefon: 040 9707869-13
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