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Donnerstag, 13 August 2020 18:18

Eine Rebhuhnoase in einer Ackerwüste Empfehlung

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Wenn man nach vielen Jahren im Spätsommer eine Kette von 5 Rebhühner über einen gegrubberten Acker abstreichen sieht, kommen Jugenderinnerungen aus längst vergangenen Zeiten hoch. Auch erinnerte ich mich an einen Artikel im Jagdblog, der auch schon 13 Jahre alt ist, in dem ich unter dem Titel Straßenbauruine als idealer Standort für eine hohe Rebhuhnpopulation, auf die fehlenden Biotope für diese mittlerweile so selten gewordene Federwildart hinwies.

Und wie es sich für einen neugierigen Naturmenschen gehört, machte ich mich auf die Suche, um das Biotop, besser die Niederwildoase zu finden, die das Überleben dieser 5 Rebhühner in dieser Ackerwüste über die Ernte hinaus bis zum 11.8. ermöglichte.

Auf meinen Rundgängen durch die Flur treffe ich als häufigste Wildart auf Rabenvögel. Fast auf jedem Acker sitzen welche und sie suchen den Boden nach Fressbarem ab. Zudem gilt es zu beachten, dass im Dorf fast jeder Haushalt eine Katze hält, schließlich ist das Nutzvieh weitestgehend abgeschafft und irgend ein Viehzeug muss schließlich auf den Hof aufpassen. Da bietet sich die sich selbst versorgende Hauskatze als ideales Haustier an. Drahthaar Bruno, begeisterter "Catkiller" bleibt deshalb nicht nur im, sondern auch am Dorf immer an der Leine.

Die Begegnungen mit Hasen im Jahresverlauf hingegen kann ich an einer Hand abzählen. Da wirft der Anblick einer Rebhuhnkette natürlich sofort die Frage auf, wie diese Wildart überhaupt bis zur Ernte im August überleben konnte, ohne den nicht mehr überschaubaren Menge an Fressfeinden zum Opfer zu fallen. Und ich wurde auch sofort fündig.

Exakt vor einem Jahr wurde ein etwa 1 a großer Acker nur 50 Meter von der Stelle, wo ich die Hühner gesehen hatte, abgedroschen, ohne dass 24 Stunden nach dem Dreschen die Stoppeln mit einer Schebenegge zerschnitten wurden. Schon im September zeigte sich zwischen den Stoppeln ein dichter Unkrautbewuchs. Fast überall auf den anderen Flächen verhindert die Bearbeitung der Stoppelacker mit der Scheibenegge diesen Unkautausschlag vollständig, dadurch  gehen Deckung und Äsung für das Niederwild vollständig verloren.
Im April nutzte ein Schäfer die Brache für einen Tag zum Beweiden, ansonsten blieb die Brache 12 Monate landwirtschaftlich ungenutzt.

Ich habe nun ein Foto von der Brache gemacht, damit auch jüngere Jäger sich ein Bild machen können, wie eine solche ein Jahr aus der Nutzung genommene Ackerfläche als Brache aussieht. Man erkennt deutlich die "Rebhuhnoase" und im Hintergrund die großflächige "Ackerwüste", die bis zum Horizont reicht.
Im Hinterfrund sieht man die Äcker, die vor 14 Tagen noch vollständig mit Getreide bedeckt waren. Diese  Deckung feht vollständig,  die Wüste entsteht binnen weniger Tage, weshalb  man bei dieser Feldwirtschaft mit Großmaschinen auch vom  Erntestress für das Niederwild  spricht. Doch es kommt noch schlimmer:  Schon 2-3 Tage nach dem Dreschen zerschneidet die Scheibenegge den Boden und verhindert so zu 100% die Unkrautbildung, die das Niederwild bis in den Winter zum Überleben braucht. Der Jagdwert für das Niederwild ist 0. Auf dem Foto kann man gut den Kontrast der beiden Ackerflächen erkennen.

Mit dem Vorkommmen einer Kette Hühner in einer Brachfläche trotz einer jahrzehntlang fehlenden Raubwildbejagung und einer daraus folgenden enormen Raubwild- und Katzendichte wird erkennbar, dass die Bejagung des Raubwildes für das Niederwild nichts bringt, wenn das Biotop fehlt.

Waidmannsheil

Euer

Stefan

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Kontrastreicher kann es nicht sein: Im Vordergrund Brache nach 12 Monaten ohne Bewirtschaftung , im Hintergund viele Hektar tote Fläche bis zum Horizont. Auch die schärfste Bejagung des Raubwildes läßt hier keine bejagbare Niederwildpopulation entstehen.

Gelesen 956 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 13 August 2020 19:29
Stefan Fügner

Mitbegründer des Deutschen Jagdportals - mehr über Stefan unter TEAM

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