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Donnerstag, 07 Januar 2021 10:36

Der jagdlich brauchbare aber unbrauchbare Jagdhund

 Wurfmeldung Kleine Münsterländer

Deutsch Drahthaar Rüde Bruno, mit aboluter Schärfe, aber ohne den dafür notwendigen Gehorsam

Wer einige Jahre im Jagdhundetierschutz gearbeitet hat, der weiß, dass ein Jagdhund aus diesem Milieu gut mit einem Überraschungsei eines großen Schokoladenherstellers zu vergleichen ist. Nur mit dem Unterschied, dass sich mit dem Öffnen des Überraschungseis die Erwartungen und auch die Überraschungen selbst in Grenzen halten. Auch bei mir ist es bei den Jagdhunden nach Dutzenden von Jagdhunden aus dem Tierschutz immer noch eine echte Herausforderung und die Spannung hält einige Wochen an!

Der Abgabehund Bruno, ein  Überraschungsei der besonderen Art

Bei Bruno, meinem aktuellen Drahthaar war das nicht anders. Durch seinen monatelangen Aufenthalt ohne Bewegung im Zwinger war er völlig abgemagert und verwahrlost. Auch war ihm wohl der Aufenthalt in einer Wohnung bis zum Zuzug zu mir völlig unbekannt. Doch diese Verwahrlosung, gepaart mit fehlender Erziehung kannte ich bereits von anderen Pflegehunden.
Seine aus meiner Sicht unhaltbaren Unarten stellten sich erst mit einiger Zeit heraus, als ich mit Bruno anfing, zu arbeiten. Ich lasse den Pflegehunden immer einige Wochen Zeit, damit sie ankommen und außer einiger weniger Übungen im Haus, werden sie im Gelände erst nur an der Leine ausgeführt.
Da der Grundgehorsam gut durchgearbeitet war, hatte ich Hoffnung, ihn insoweit an mich zu gewöhnen, dass ein Arbeiten ohne Leine schnell möglich ist. Zudem hatte er mit 58 Punkten auf der VJP den 3. Platz belegt und das mit 10 Punkten in der Führigkeit (!) Zusätzlich hatte er die Brauchbarkeit Schalenwild bestanden, eigentlich alles beste Voraussetzungen für einen führigen und jagdlich brauchbaren Jagdhund.

Bruno, der „Catkiller“

Doch mit dem Kontakt zu Wild in unmittelbarer Nähe zeigte er ein Unart, die ich in der Form noch nie bei einem Pflegehund kennen gelernt hatte: Es war nicht alleine der sichtige Kontakt zu Wild, sondern schon der Geruch des sich in unmittelbarer Umgebung befindlichen Wildes reichte aus, dass Bruno regelrecht explodierte. Ohne vorherige Ankündigung, einem Stromstoß gleich, wurde der Gehorsam sofort aufgelöst und er versuchte, ohne Laut zu geben, überfallartig das Wild sofort zu packen, wo er es vermutete. Als er mir dann noch an einem Abend beim Ausladen aus dem Auto über die Schulter sprang, um auf dem gegenüberliegenden Bauernhof die dort zahlreich lebenden Katzen zu packen, die er jedesmal beim Vorbeifahren gesehen hatte, war mir klar:
Bruno war als raubwildscharfer Drahthaar ohne ausreichendem Gehorsam zum „Raubwildkiller“  ausgebildet worden!
Potentiert wurde die extreme Raubwildschärfe, die bei Drahthaar nicht ungewöhnlich ist, mit einer sich immer weiter steigernden Hyperaktivität beim Jagen. Auch ohne dem Wild habhaft zu werden, steigerte er sich in eine unkontrollierbare Jagdgier. Der Wildkontakt und der damit verbundene warme Wildgeruch erzeugte eine derartige Reizüberflutung, dass er in keinster Weise mehr abrufbar war.
Als Bruno an einem Nachmittag nur 1 Meter neben mir nach 2 Stunden intensivem Training 200 Meter vor dem Dorf umdrehte und im Wald verschwand, kam er bis auf weiteres an die Feldleine.

1. Schritt: Der Wildkontakt wird von mir vorsätzlich herbeigeführt

Zuerst führte ich Bruno testweise an der Leine an Schalenwildeinstände heran und sorgte dafür, dass er warmen Wildkontakt bekam. Sein  Verhalten bestätigte meine Vermutung. Alleine der warme Geruch von Wild rief seine Unkontrollierbarkeit hervor, die jedes Abrufen unmöglich machte. Er war bei direktem Wildkontakt auch an der Leine nicht zu bändigen!
Nun muss man wissen, dass ein derart raubzeugscharfer Drahthaar, der immer wieder ohne gefestigten und bedingungslosen Grundgehorsam an Raubwild gearbeitet  wurde, keinerlei Vorstehfähigkeiten mehr zeigt. Auch die für die erfolgreiche Jagd unter der Flinte notwendige ruhige und konzentrierte Quersuche beherrscht solch ein Hund nicht (mehr). Mit dem Willen, das Wild zu suchen und sofort zu packen geht jede Ruhe beim Arbeiten unter der Flinte als typischer Vorstehhund verloren.

Umkonditionierug eines extrem jagdtriebigen Hundes durch Konfrontationstherapie

Der erneute Lockdown kam Brunos notwendigem Training  „Gehorsam am Wild“ zugute. Mein 4 x wöchentliches Langstreckenschwimmen von 1.000 Meter im städtischen Schwimmbad konnte nicht mehr stattfinden und wurde kurzerhand in einen täglichen 10 km Marsch durch das Knüllgebirge getauscht. Täglich ging es auf Waldwegen durch dichten großen Naturverjüngungsflächen des Hessenforst im Knüllgebirge mit großer Wilddichte an Rot- Schwarz- und Rehwild. Immer wieder muss der Hund durch Gehorsamsübungen zur Ruhe gezwungen werden, weil alleine der Geruch des Wildes im dichten naturverjüngten Buchenwald den Hund hochdreht. Durch die dichte Naturverjüngung herrscht eine fortwährend hohe Luftfeuchte, die den Geruch des Wildes zusätzlich verstärkt. Dieses Ruhetraining durch Gehorsamstraining am Wild muss bei solch jagdtriebigen Hunden wie Bruno viele Wochen durchgearbeitet werden, innerhalb weniger Tage erreicht man hier nichts. Wechselt Schalenwild über die Wege, geht reflexartig mein Blick zum Hund und es kommt das strenge „Platz“ und danach geht es mit strengem Fußlaufen weiter.  Ständig wechselnde Befehle zwingen den Hund, sich auf das Arbeiten mit dem Führer zu konzentrieren. Das Training endet erst, wenn beim Hund wieder Ruhe einkehrt. Einige Dutzend Wildkontakte sind notwendig, damit sich überhaupt erste Erfolge zeigen.

Gesellenprüfung nach 3 Monaten

Letzte Woche konnte Bruno dann seine Gesellenprüfung ablegen. Auf dem Weg in die Wälder führen unsere Wege immer über die ortsnahen Wiesen, wo er mittlerweile den Freilauf genießen kann. Allerdings wird streng auf die sehr eng gefasste  grüne Zone geachtet. Wird Bruno bei Wildgeruch hektisch, wird sofort mit Gehorsamsdrill geantwortet, bis er die notwendige Ruhe zeigt. Im Wald mit dem dort zahlreichen Schalenwild allerdings kommt immer noch die Feldleine aus Sicherheitsgründen zum Einsatz. Als wir die 500 Höhenmeter im Knüllgebirge erreichen, ist die Schneedecke vollständig geschlossen und das leichte Tröpfeln des tauenden Schnees läßt  das Wild in der Dämmerung am Abend besonders bewegungsaktiv werden. Traumhaftes Übungwetter, der gewünschte mehrfache Wildkontakt war mir sicher!

Es dauerte auch nur einige 100 Meter. Gleich mehrere Rehe überqueren den Waldweg ruhig ziehend. Mein Blick ging reflexartig zum 3 Meter vor mir stehenden Hund. Dieser wendete sofort den Blick von den Rehen weg zu mir, sah, dass ich ihn im Blick hatte und drehte um. Ohne dass ich einen Befehl gab, setzte er sich links neben mich und drückte seinen Körper an mein linkes Bein! Zitternd vor Jagdgier, aber in korrekter Position beobachtet er das über den Weg wechselnde Rehwild. Gesellenprüfung bestanden!

Diesem erfolgreichen Umkonditionieren gingen nun mehrere Monate intensivem Gehorsamstraining bei vorsätzlich herbeigeführtem Wildkontakt voran. Es bedarf vor allem bei älteren Hunden wie Bruno eines harten Trainings am Wild, bis dieser unkontrollierte Jagdtrieb durch den anfangs erzwungenen Gehorsam überlagert wird. Wer dieses lange Training mit vielen Rückschlägen nicht einkalkuliert, wird scheitern.
Es zeigt aber auch, dass Jagdhundeprüfungen sicherlich für Züchter eine Basis sind , mit der Zuchtentscheidungen getroffen werden können. Für einen Jäger, der einen Hund für die Jagd und den täglichen Gebrauch benötigt, haben diese Prüfungen keine Aussagekraft.
Auch wird aus meiner Sicht viel zu viel Bedeutung der jagdlichen Eignung beigemessen, was zu einem viel zu frühen Kontakt des Hundes mit Wild führt. Das Einarbeiten des bedingungslosen Gehorsams vor dem Arbeiten der jagdlichen Fächer wird hingegen vernachlässigt. Dies ist wohl auch der Grund, weshalb es häufig zu Diskussionen mit unüberwindbaren Standpunkten innerhalb der Jägerschaft über den Sinn und Zweck von Jagdhundeprüfungen und Rassehunden kommt, weil jeder aus unterschiedlichen Interessen der  Jagdhundeprüfung eine völlig andere Bedeutung beimisst.

 

Waidmannsheil

Euer

Stefan

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 Wurfmeldung Kleine Münsterländer

Freigegeben in Jagdhundeausbildung

Neue Hessische Verordnung tritt in Kraft

Irus vom Dyckerland heißt jetzt Bruno

Die Arbeit eines  verantwortungsvollen Züchters endet nicht mit der Abgabe der Welpen.

Als ich den Deutsch Drahthaar Rüden Irus das erstemal sah, war ich ein wenig geschockt, schließlich hinterlassen monatelange Zwingeraufenthalte ohne Pflege und Bewegung bei einem Hund erkennbare Spuren. Doch da ich viele Jahre als Pflegestation im Jagdhundetierschutz bei Krambambulli gewirkt hatte, beeindruckten mich die anfänglichen Eindrücke der Äußerlichkeiten wenig. Da hatte ich schon ganz andere Drahthaar auf dem Hof!

Nach fast 2 Monaten gilt es nun, ein erstes Fazit der Eingewöhnung zu ziehen.

Mit dem Namen Irus konnte ich überhaupt nichts anfangen und so bekam er von der Wirtin des Jägerhofs den Namen Bruno. Seine Behänge sehen nach 2 Monaten wieder manierlich aus, das Einkremen mit Babyöl haben die Haut der Behänge weich gemacht und sie haben wieder ihr samtenes Fell auf den Außenflächen. Sein kräftiger Appetit zeigte anfangs wenig Wirkung, doch vom ersten Tag an erfolgte auf den abgemähten Wiesen -seit einigen Wochen ohne Feldleine- die Quersuchenarbeit. Wie ein Pferd, das wochenlang im Stall stand, zieht er zu Beginn Ovale und Kreise um mich herum . Dabei hält er einen Radius von maximal 10-15 Meter recht genau ein. Scheinbar das Ergebnis des strengen Kurzhaltens vom ersten Tag an. Erst wenn er eine Zeit lang diese Runden gedreht hat, beginnt er mit einer für einen Drahthaar ungewöhnlich intensiven  tiefen Nasenarbeit. Durch dieses „Wiesentraining“ sind die anfangs sehr deutlich sichtbar hervorstehenden Becken- und Hüftknochen verschwunden und er hat wieder eine kräftige Muskulatur in den Läufen gebildet und einen durchtrainierten  Rüdenhintern. Optisch hat er dadurch in 2 Monaten wieder die Figur eines echten strammen Deutsch Drahthaar Rüden angenommen.

Zwar hat einen guten Appell im Grundgehorsam, aber beim Gehorsam am Wild zeigt er erhebliche Ausbildungslücken und hier muss noch gearbeitet werden. Überhaupt wurde schnell erkennbar, dass ihm jegliche Jagdpraxis fehlt. Bei abstreichenden Nilgänsen tobte er anfangs an der Feldleine wie ein junger Hund, was sich aber sehr schnell legte. Zunächst bieten sich die Katzen als Übungsobjekte an. Scheinbar wurde er an ihnen ausgebildet, denn ausgerechnet hier zeigt er große Routine. 2 Katzen konnte ich gerade noch vor dem sicheren Würgetod retten. Im Dorf bleibt er an der Leine und der Gehorsam am Wild wird in Anwesenheit der Dorfkatzen, von denen es mehr als Einwohner gibt, fast täglich geübt. Überhaupt zeigt er eine Wildschärfe, wie man sie auch bei Drahthaar in der extremen Form nur selten kennt. Fernsehen schaut er sehr aufmerksam und auch dort ist seine Wildschärfe erkennbar. Bei einer Tierdokumentation über den Schaalsee wollte er unbedingt mit einem gewaltigen Sprung aus seinem Hundebett gegen den Flachbildschirm dem Kranich in der Reportage an den Hals!

Bruno ist trotz seiner extremen Wildschärfe sehr führerbezogen. Beim Fußlaufen sucht er den Körperkontakt zum Knie und wenn ich ihn bei der Quersuchenarbeit heranrufe, setzt er sich am liebsten auf meinen Fuß, um möglichst nahe an mir zu sein. Mehrmals täglich, auch nachts, kontrolliert er, ob ich noch da bin, holt sich seine Streicheleinheiten, um dann wieder auf dem Hundeplatz zu verschwinden.
Bei einem Hund, der diese Bindung sucht, macht das Einarbeiten des Gehorsams bei einem derart wildscharfen Drahthaar nicht unbedingt einfacher, aber die Fortschritte des Einarbeitens sind sehr schnell erkennbar.

Ich möchte hier Manfred Hofges, Inhaber des Deutsch Drahthaarzwingers vom Dyckerland, für die Vermittlung danken. Die Arbeit als Züchter ist mit der Abgabe der Welpen nicht zu Ende. Auch wenn ein Drahthaarführer Hilfe bei der Abgabe braucht, weil ihm das Schicksal arg mitspielt, sollte er als Vermittler zur Verfügung stehen. Manfred Höfges hat mit der Vermittlung eines seiner Hunde der Rasse Deutsch Drahthaar einen Problemhund im Tierschutz erspart. Vielen Dank für diesen Einsatz, lieber Manfred.

Waidmannsheil

Stefan

Neue Hessische Verordnung tritt in Kraft Nach dem Quersuchentraining

Freigegeben in Jagdhunde in Notlagen
Freitag, 31 Januar 2020 16:11

Die Jagd mit dem Hund

"Hunde sind uns treue Wächter, sie lieben und bewundern ihre Herren, sie hassen Fremde, ihr Geruchssinn ist bemerkenswert, groß ist ihr Eifer bei der Jagd - was anderes sollte all dies heißen, als dass sie zum Nutzen des Menschen erschaffen wurden?"  (Marcus Tullius Cicero, 106-43 v. Chr.)

 

In diesem Jahr will der Winter einfach nicht weichen.

Den ganzen März über liegt Schnee und die Temperaturen steigen auch tagsüber kaum über die Frostgrenze.
Auch das Schwarzwild, insbesondere die Überläufer und Frischlinge, sind wegen der fehlenden Eichelmast des Herbstes zusätzlich geschwächt und am Ende ihrer Kräfte.
Durch die merklich länger werdenden Tage erscheinen die ausgehungerten Frischlings- und Überläuferrotten schon am späten Nachmittag auf den Wiesen und Feldern, um nach der spärlichen Nahrung zu suchen.

So kommt es, dass ich, eher ungewöhnlich, am Nachmittag bei hellem Sonnenschein mit DD Rüde Ajax eine Kontrollsuche nach einem Schuss auf einen Überläufer durchführe. Am Anschuss finde ich keinen Schweiß. Mit Ajax und einem Jagdgast verfolge ich die deutlich sichtbare Fährte im Schnee. Doch auch Ajax zeigt kein wirkliches Interesse an der Fährte und auch nach etwa 100 Metern findet sich nichts, was auf eine kranke Sau schließen lässt. Wir stehen vor einer undurchdringlichen Buchennaturverjüngung. Nach dem Schnallen verschwindet Ajax binnen Sekunden im verschneiten Unterbewuchs. Danach herrscht absolute Stille. Nichts. In solchen Situationen werden Sekunden zu Minuten.
Doch irgendwann höre ich weit in der Ferne des Staatsforstes im Plagefenn den Standlaut von Ajax. Sein tiefer Bass ist kaum zu hören, es müssen viele hundert Meter sein. Ich versuche über das Handy den zuständigen Revierleiter des angrenzenden Staatswaldes zu erreichen "Kein Empfang" zeigt das Display an.
Es sind glücklicherweise nur wenige 100 Meter bis zur Försterei. Ich weise dem Jagdgast einen Hochsitz zu, gehe zum Auto und fahre zur Försterei, um dort die Nachsuche zu melden. Von dort kann ich, kaum hörbar, immer noch Ajax Standlaut geben hören.
Über eine verschneite Waldwiese, deren Grasnarbe von den Sauen völlig aufgewühlt und mit Kratern wie nach einem Granatbeschuss überdeckt ist, versuche ich mich an Ajax mehr stölpern als laufend heranzuarbeiten.
Dann geht es in den Wald. Ab und an bleibe ich stehen, um zu hören, aus welcher Richtung der Standlaut kommt. Wenigstens kann ich beim "Verhören" des Standlauts immer wieder Kräfte sammeln. Wenn ich nach kurzem Warten Ajax Standlaut in der Ferne vernehme, wirkt sein Ruf wie wie eine Peitsche, die mich antreibt, um dem treuen Hund zu Hilfe zu kommen.
Immer wieder versperren Naturverjüngungsflächen, unüberwindbare Gräben, umgestürzte Bäume und mit Schilf bewachsene Morastlöcher den direkten Weg zum Hund und müssen umschlagen werden. Ich spüre, dass meine Unterwäsche mittlerweile vom Schweiß völlig durchnässt ist. Doch die Sorge um den Hund, der völlig auf sich alleine gestellt, mit der Sau kämpft, müden mich immer wieder auf.
Ich habe das Gefühl, Hund und Sau ständig vor mir her zu treiben. Doch irgendwann, es mag weit über eine Stunde nach dem ersten Vernehmen des Standlautes vergangen sein, bin ich in Rufnähe des Hundes.
Wohl mehr um mich selber anzutreiben, rüde ich den Hund an: "Ajax, pack die Wutz! Gib laut!". Als ich mich dann Hund und Sau auf Sichtweite genähert habe, sehe ich, wie Ajax in einer Naturverjüngung einen auf ca. 15 kg abgemagerten Frischling Standlaut gebend umkreist. Wenn der Frischling versucht, sich in die Naturverjüngung zu retten, packt ihn Ajax hinter den Tellern.
Scheinbar war Ajax bei der Verlorensuche auf eine Frischlingsrotte gestoßen und hatte einen der Frischlinge aus der Rotte separieren können.
Als ich mich nah genug für einen Fangschuss den beiden genähert habe, ist eine Schussabgabe unmöglich. Hund, Sau und die Pflanzen der Naturverjüngung bilden ein unüberschaubares Knäuel. Kaum hat Ajax auf das Kommando "Aus" den Frischling losgelassen, damit ich den Fangschuss antragen kann, verschwindet dieser in der Naturverjüngung. Beim Anrüden: "Pack die Wutz" aber hat Ajax ihn schnell wieder gestellt und ich kann ihm folgen. So geht es immerzu, aber irgendwann schaffe ich es inmitten der Naturverjüngung, im Wust von Jungbuchen, Schnee, Hund und Sau dem Frischling den erlösenden Fangschuss anzutragen.

Noch während Ajax den Frischling beutelt, sinke ich, völlig erschöpft an einen Baum gelehnt, zu Boden. Ich entlade die Waffe und lege sie mir in den Schoß. Tiefe Zufriedenheit mischt sich mit totaler Erschöpfung. Auch Ajax kommt irgendwann zu mir und legt sich, nach Luft japsend und hochfrequenz-hechelnd neben mich. Ab und an versucht er, durch das Fressen von Schnee seinen Durst zu stillen. Auch er ist völlig entkräftet. Aber als er mich anschaut, blicke ich in diese Jagdhundaugen, in denen seine völlige Zufriedenheit durch die erfolgreiche Sauhatz zum Ausdruck kommt. Diesen Blick haben Jagdhunde immer nur dann, wenn sie erfolgreich Beute gemacht haben. Gemeinsam Jagen und erfolgreich Beute machen, das ist es, was Jagdhund und Jäger vereint. Keine Sprache der Welt mag solch eine gemeinsame Zufriedenheit von Jagdhund und Jäger nach erfolgreicher Jagd zum Ausdruck bringen.

Als ich mit dem Aufbrechen fertig bin, hänge ich mir die Waffe um und packe mir den Frischling auf die Schulter. Als ich los will, stelle ich fest, dass ich weit in einen Wald eingedrungen bin, in dem ich noch nie in meinem Leben war. "Ich muss nach Südwesten" geht es mir durch den Kopf. Doch ich habe durch das häufige Umschlagen von Hindernissen die Orientierung völlig verloren. Es ist merklich dunkler geworden und der Stand der Sonne läßt sich nur noch erahnen. Doch dann blicke ich auf den Boden, sehe meine Spuren im Schnee und denke: "Ich mache es wie Ajax: Auf der eigenen Fährte zurück zum Ausgangspunkt." Dem Schnee sei dank.

Als ich am Auto ankomme, ist es mittlerweile stockdunkel geworden. Ich lasse den Frischling von den Schultern rutschen und setze mich erschöpft auf den Heckgepäckträger. Als ich den Kopf hebe, steht Ajax mit aufgeregt wackelnder Stummelrute und erwartungsvollem Blick vor mir. Ich schüttle den Kopf und sage: "Nein, Ajax, nein, für heute ist Schluß, ich kann nicht mehr. Morgen ist auch noch ein Tag" Von einer Erschöpfung nach der Sauhatz ist bei Ajax nichts mehr zu spüren und wenn es nach ihm ginge, könnten wir beide heute noch die eine oder andere Sau zur Strecke bringen.

Bis heute befriedigt der Mensch bei der Jagd seinen Instinkt des Beute machens. Aber erst die gemeinsame erfolgreiche Jagd mit dem Hund ist die ureigenste Art der Jagd in ihrer Vollendung.

DD Rüde Ajax, hier mit BGS Hündin Dana, macht mit seinem Mut, seiner Klugheit und seiner unbändigen Passion seiner Rasse alle Ehre. Photo: Johannes Nölke

 

 

waidmannsheil

Euer

stefan

 

Der Artikel erschien erstmalig am 18.4.2013 auf dem Jagdblog-das etwas andere Jagdtagebuch

Freigegeben in Jagderlebnisse
Sonntag, 14 Mai 2017 21:47

"Raubtierfütterung mit Emma"

Was wird dem Deutsch Drahthaar nicht alles nachgesagt!

Er ist nur was für eingefleische Jäger, für ein Leben außerhalb der Jagd eher unbrauchbar, grob, er besticht durch Schärfe gegenüber Raubwild und Sauen. Die Liste der Beurteilung einer zugegebenermaßen anspruchsvollen Jagdhunderasse ließe sich beliebig fortsetzen.

Doch alleine mit diesen Charaktereigenschaften wird man dieser Rasse nicht gerecht. Wie rücksichtsvoll diese oft als Grobiane bezeichneten Hunde mit "Rudelmitgliedern" umgehen, zeigt nachfolgendes Video. Ich will gar nicht wissen, wie wenig Hunde derart geduldig auf das von einem Kind zugewiesene Futter warten. Einen besseren Werbefilm für eine Hunderasse kann man gar nicht drehen.

Wir danken dem Deutsch Drahthaarzwinger "vom Sprakeler Holz" für die Übersendung des Videos und Genehmigung der Veröffentlichung.

 

Freigegeben in Jagdhundeausbildung