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Donnerstag, 18 April 2024 12:28

Ist ein Apportierspezialist auch anderweitig als Jagdhund brauchbar? Empfehlung

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Labrador Retriever Rüde apportiert erlegten Fuchs Labrador Retriever Rüde apportiert erlegten Fuchs Rainer Kern Jagdportal

In Jägerkreisen werden Retriever, insbesondere der Labrador Retriever inzwischen als hervorragende Apportierhunde anerkannt. Apportierhund JA, aber anderweitig sei er ja nicht so wirklich brauchbar, bekam ich schon oft zu hören. Kurzum, ein richtiger Jagdhund sei der Retriever nicht, er hätte ja nicht einmal Wildschärfe.

DGreifvögel werden weiter illegal verfolgt - 51 dokumentierte Fälle in 14 Monatenas ist ein Vorurteil, das sich genauso hartnäckig hält, wie das Klischee von deutschen Männern, die als Touristen immer kurze Hosen und weiße Socken in Sandalen tragen.

Doch sind solche Vorurteile wirklich gerechtfertigt? 

Ich möchte hier mal eine Lanze brechen für den Labrador Retriever, den ich selbst als Jäger seit über 20 Jahren führe.

Mein Labrador Retriever Rüde Stoatshead Agito bringt alles freudig

Für mich ist der Labrador ein sehr angenehmer Jagdbegleiter mit vielen Talenten

Es kommt natürlich auch immer darauf an, was für eine Art von Hund man gerne an seiner Seite haben möchte. Mir ist es wichtig, dass ich mich in jeder Lage auf meinen Hund verlassen kann, er mit mir zusammen arbeitet und meine Kommandos jederzeit annimmt. Nur so kann ich ihm auch maximale Freiheiten gewähren und genau das wünsche ich mir für meine Begleiter. Mehr über das Wesen des Labradors schreibe ich gerne mal in einem weiteren Artikel, um diesen Allrounder aus der Sicht eines Jäger vorzustellen.

Es ist wichtig zu wissen, dass es 2 Zuchtlinien gibt und ich für die Arbeit mit dem Hund ausschließlich nur die Arbeitslinie empfehle. Bei der Arbeitslinie unterscheidet man noch durch jagdliche- und durch der speziellen jagdlichen Leistungszucht.

Seit mehr als 2 Jahrzehnten führe ich Labrador Retriever aus spezieller jagdlicher Leistungszucht und all meine Hunde haben sich als sehr treue, sehr angenehme Begleiter, intelligente Partner und zuverlässige Jagdhunde erwiesen.

Meine Hunde verfüg(t)en bisher alle über eine ausgeprägte Wildschärfe. Sie unterstützen mich erfolgreich bei Nachsuchen und machen ihren Job, wenn ich sie schnalle. Sie zeigen leidenschaftliches Interesse am Stöbern und sie beherrschen das Buschieren perfekt unter der Flinte. Von nichts kommt nichts sagt man und das gilt auch in der Hundeausbildung. Das beginnt bei mir bereits mit der jagdlichen Welpenprägung.

Ich bilde meine Hunde unter anderem durch Dummytraining von klein auf zu perfekten Jagdhelfern aus.

Labrador Rüde Ben von der Perle der Südpfalz. 1. Platz und Suchensieger bei VPS Prüfung des JGHV
Die unterschätzte Kunst des Dummytrainings zur Jagdhundeausbildung

Verbindest du beim Begriff "Dummytraining" auch unmittelbar das Bild von Hundeführern, die ihren Vierbeinern grüne Stoffsäckchen zuwerfen, um sie zu unterhalten? Ich dachte vor etlichen Jahren genauso.

Ich bevorzuge es, meine Jagdhunde zunächst vollständig mittels Dummytraining auszubilden, bevor ich sie in den direkten Umgang mit Wild einbinde. Dies ermöglicht es mir, auf das Auftauen von Wild oder die Verwendung frisch erlegten Wildes für jedes Training zu verzichten. Zudem erlaubt es mir, jederzeit spontan mit meinem Hund zu trainieren, was ich als einen klaren Vorteil betrachte.

Das Dummytraining hat sich für mich als äußerst effektive Methode erwiesen, um die Fähigkeiten meiner Hunde zu fördern und solide Grundlagen für ihre Ausbildung zu schaffen. Viele wichtige Lektionen lassen sich dem Hund mithilfe von Dummys vermitteln, was sowohl ihm als auch mir bedeutend mehr Freude bereitet als beispielsweise ausschließlich Fußarbeit zu trainieren. Der Hund erkennt schnell, dass eine gute Leistung im Gehorsam (wie das Laufen bei Fuß) ihn schneller zu seinem Ziel führt – der Beute.

10 Gründe und Vorteile für die Ausbildung vom Welpen bis zum zuverlässigen über Dummytraining:

  1. Aufbau perfekte Basics: Dummytraining legt den Grundstein für die jagdliche Ausbildung. Der Hund lernt nicht nur das Apportieren, sondern sämtliche Gehorsamsfächer und fördert gleichzeitig auch die Standruhe. Diese Grundlagen sind für mich unerlässlich.

  2. Lernen mit Freude: Dummytraining ermöglicht dem Hund in einer kontrollierten Umgebung zu lernen. Der Fokus liegt auf positiver Verstärkung und Belohnung, ohne Druck, Zwang oder Härte. Der Hund verbindet das Training mit Spaß und wird motiviert, Neues zu lernen.

  3. Vertrauensaufbau zwischen Hund und Hundeführer: Dummytraining ist mehr als nur das Werfen von Stoffsäckchen. Es stärkt das Vertrauensverhältnis zwischen Hund und Hundeführer. Der Hund lernt, dass er seinem Menschen vertrauen kann, auch in ungewohnten Situationen.

  4. Präzises Arbeiten auf Distanz: Die Arbeit mit Dummies erfordert Präzision und das Arbeiten auf Distanz. Diese Fähigkeiten sind in der Jagd unerlässlich, wenn der Hund auf entfernte Signale reagieren und erfolgreich apportieren oder einfach nur gehorchen soll.

  5. Teamarbeit stärken: Dummytraining fördert die Kommunikation zwischen Hund und Hundeführer. Der Hund lernt auf Signale und Kommandos zu reagieren. Teamarbeit überträgt sich positiv auf die jagdliche Zusammenarbeit.

  6. Stressbewältigung und -vermeidung: In der Jagd gibt es oft stressige Momente. Dummytraining simuliert jagdliche Situationen und hilft dem Hund, mit Stress umzugehen oder ihn zu vermeiden. Ein stressfreier Hund ist fokussierter und effektiver in der Arbeit.

  7. Unverzichtbare Vorbereitung auf die Jagd: Die Fähigkeiten, die der Hund durch Dummytraining erwirbt, sind direkt auf die Anforderungen der Jagd übertragbar. Vom Apportieren nach dem Schuss bis hin zum Suchen von Wild – Dummyarbeit simuliert jagdliche Situationen und bereitet den Hund optimal vor.

  8. Vielseitiges Geländetraining: Dummyarbeit kann in verschiedenen Geländearten durchgeführt werden – sei es im Wald, im Wasser oder auf freiem Feld. Der Hund lernt sich in unterschiedlichen Umgebungen zurechtzufinden, was für die Jagd von großem Vorteil ist.

  9. Steigerung der Konzentrationsfähigkeit: Das genaue Suchen und Finden der Dummies fördert die Konzentrationsfähigkeit des Hundes. Diese Fähigkeit ist auch bei der Suche nach Wild und dem Durchführen von Nachsuchen von entscheidender Bedeutung.

  10. Erfolgreiche Vorbereitung auf die Jagd: Das Dummytraining simuliert jagdliche Abläufe und bereitet den Hund perfekt auf seine Aufgaben vor. Vom Apportieren nach dem Schuss bis zum Suchen von Wild – Dummyarbeit bildet die Grundlage für eine erfolgreiche Jagd.


Mehr über die jagdliche Arbeit mit Revierern und über meine Ausbildungsphilosphie findest Du auf der Webseite vom Jagdverein Lehrprinz. Ich bin dort ehrenamtlich als Hundetrainer aktiv.

>> Jagdverein Lehrprinz e.V. - Angebote Hundeausbildung, Training, Seminare, Trainingsferien etc.

Waidmannsheil und horrido
Rainer Kern

Gelesen 1964 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 18 April 2024 15:19

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