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Donnerstag, 11 April 2019 15:19

Pressemitteilung vom 11. April 2019 JagdundNatur.TV Empfehlung

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Die Zerstörung einer großen Chance

Mit tiefem Bedauern, aber auch mit sachlich begründetem Zorn wollen wir Sie informieren, dass der einzige TV Kanal der Jagd im deutschsprachigen Raum nach sieben Jahren aus wirtschaftlichen Gründen nicht länger betrieben werden kann.

Damit verliert die Jagd das einzige deutschsprachige Bewegt Bild Medium, das sich um eine moderne und professionelle Öffentlichkeitsarbeit gekümmert hat und dessen vorwiegende Zielsetzung es war, die jagdlichen Traditionen und die Zusammenhänge der Natur in unserem Lebensraum einer sich rasch wandelnden Gesellschaft nahe zu bringen und ein zukunftsfähiges Bild der Jagd für kommende Generationen zu gestalten. Denn unsere globalisierte und urban ausgerichtete Gesellschaft will zunehmend keinerlei Verständnis für Jagd und Jäger aufbringen, der ideologische Kampf gegen die „Lizenz zum Töten“ von Wildtieren nimmt rasant zu. Das Vermitteln von Verständnis und Information an Nichtjäger war eine wesentliche Aufgabe von JagdundNatur.TV, eine Aufgabe, die letztlich aber dazu geführt hat, dass es die eigenen interessenspolitischen Vertreter der Jagd in Österreich waren, die diesem, ihrem eigenen Medium in eifersüchtigem und eitlem Machtgehabe die wirtschaftlichen Grundlagen entzogen und es so bewusst vernichtet haben.

Die Hintergründe dieser Zerstörung einer großen Chance:
Gegründet Ende 2011 als moderner TV-Kanal der über Online-Netze verbreitet wurde, war JagdundNatur.TV das erste Medium, das die verstaubte und unwirksame Selbstdarstellung der Jagd neu definiert hat. Dies war notwendig, um überhaupt der Gesellschaft ein verständliches, aber auch ethisch korrektes Bild der Faszination von Natur, Lebensräumen, Wildtieren und Jagd zu vermitteln. Allerdings zeigte sich rasch, dass es gerade hohe Jagdfunktionäre sind, die mit dem zitierten Motto: „Was und wie die Jagd ist, bestimmen nur wir Landesjägermeister“, sich von der neuen und unabhängigen Berichterstattung bedroht fühlten und JagdundNatur.TV eher bekämpften als förderten. Es waren der damalige LJM Dr. Ernst Albrich aus Vorarlberg, sein Nachfolger Reinhard Metzler, aber auch bald Generalsekretär Dr. Peter Lebersorger und LJM DI Josef Pröll, die den historischen Wert und die Chance durch JagdundNatur.TV erkannten. Aber selbst die scheiterten immer wieder am selbstgefälligen Gehabe und an den Animositäten ihrer Amtskollegen aus den waldreichen Bundesländern. Die hatten keinerlei Vorstellung von moderner Öffentlichkeitsarbeit, fühlten sich aber durch JagdundNatur.TV in ihrer selbstbestimmten eitlen Deutungs-Hoheit der Jagd bedroht.

Dennoch ist es gelungen, JagdundNatur.TV mit modernen und professionellen Sendungen, Reportagen, Formaten und einem TV Studio zum meistverbreiteten Medium der Jagd im deutschsprachigen Raum zu machen. Ende 2015 wurde eine Beteiligungsgesellschaft gegründet und einige Privatpersonen – ganz vorrangig der große Förderer der Jagd Dr. Rudolf Gürtler – brachten notwendiges Produktionskapital ein, um die Chancen zu entwickeln. Da JagdundNatur.TV keine spekulativen Jagdberichte und Abschussvideos verbreiten wollte, war die Bereitschaft der Jagdindustrie gering, sich zu engagieren. Man hatte – auch das war eine Erfahrung – wenig Interesse, für Öffentlichkeitsarbeit Geld auszugeben, lediglich für spekulative Verkaufsförderung, was ja das Bild der Jagd bis heute derart unvorteilhaft für Nichtjäger und die gesellschaftliche Wahrnehmung geprägt hat. Da JagdundNatur.TV aber gerade die Gewinnung gese llschaftlicher Akzeptanz und von Verständnis für die Jagd als wesentliche Aufgabe hatte, war auch klar, dass eine nachhaltige Finanzierung nur durch die jagdlichen Interessensgruppen möglich war. Dort gab es aber wenig Konsens zwischen der fortschrittlichen Sicht weniger moderner Funktionärs-Persönlichkeiten und den rückwärtsgewandten machtorientierten Jägermeistern, die die Jagd möglichst lange als herrschaftliches Privileg in streng hierarchischen Gefügen hochhalten wollten und die gesellschaftliche Entwicklungen von Jahrzehnten nicht zur Kenntnis genommen haben.

Dennoch gab es mit der aufwendigen Entwicklung der Dachmarke „Jagd Österreich“ – ursprünglich vorgeschlagen vom weitblickenden damaligen Vorarlberger LJM Reinhard Metzler – eine kleine Perspektive für eine moderne überregionale Kommunikationsöffnung jagdlicher Interessen in Österreich.

Als 2017 die Dachmarke „Jagd Österreich“ mit Pomp in Kufstein gegründet wurde und JagdundNatur.TV von Beginn an wesentliche Inhaltsdarstellungen übernommen hatte, war bereits zuvor - mit dem damaligen GS der Zentralstelle Dr. Peter Lebersorger - klar besprochen und strategisch vereinbart, die neu geschaffene gemeinsame Darstellung der Jagd als "Dachmarke Jagd Österreich" wesentlich über das aufgebaute Medium JagdundNatur.TV zu kommunizieren. Tragischer Weise verstarb Ende 2017 Dr. Peter Lebersorger und bald danach auch Dr. Ernst Albrich. Seit diesem Zeitpunkt ist in den Landesjagdverbänden ein völliger Rückzug zu egoistischen Regionalinteressen zu beobachten. Die geplante Kooperation zwischen der neuen Dachmarke Jagd Österreich und JagdundNatur.TV kam plötzlich und völlig zum Stillstand, Planungen zwischen den verantwortlichen Funktionären und Jagdund Natur.TV fanden nicht mehr statt.

Dennoch wurde seit Herbst 2017 der Betrieb des Senders JagdundNatur.TV weiter vorfinanziert, um die mediale Präsenz zu bewahren. Als bis Sommer 2018 noch immer keine konstruktiven Gespräche zwischen der mittlerweile mit einem eigenen Büro in Wien etablierten Dachmarke "Jagd Österreich" und den Verantwortlichen geführt wurden, informierte der Herausgeber von JagdundNatur.TV Hannes Krautzer alle LJM persönlich und brieflich über die dringliche Notwendigkeit von Entscheidungen, da absehbar war, dass der Betrieb von JagdundNatur.TV nicht mehr lange ohne Budgets finanziert werden konnte. Zusätzlich hatte der damalige Vorsitzende der LJM Konferenz, DI Gorton und damit Verantwortliche für die „Jagd Österreich“ bereits vorab geplante Budgets an JagdundNatur.TV für 2018 aus eigenem Ermessen gestrichen. Es gab keine einzige Reaktion der Landesjägermeister auf das offizielle Schreiben von Ja gdundNatur.TV!

In dieser Phase wurden Angebote erarbeitet, der Dachmarke "Jagd Österreich" wesentliche Anteile am Sender JagdundNatur.TV zu schenken und auch eine Komplettübernahme des Mediums war angeboten. Zusätzlich gab es eine Finanzierungszusage deutscher Stiftungen, die eine länderübergreifende Kommunikationschance für die Jagd ermöglichen wollten, in der Höhe von € 100.000.- p.a. Damit hätte Jagd Österreich nicht nur Eigentum und auf Wunsch auch die alleinige Verantwortung am Sender übertragen bekommen, der Finanzierungsaufwand hätte sich für alle neun Verbände auf € 120.000.- p.a. belaufen. Für jeden Landesverband hätte dies äußerst geringe Mittel bedeutet und die Dachmarke Jagd Österreich hätte eine starke Präsenz in der Öffentlichkeit bekommen.

Über dieses Angebot wurde unter der Regie des Vorsitzenden DI Gorton nicht einmal verhandelt, es wurde ungeprüft abgelehnt und die deutschen Finanziers und Förderer einer wirksamen Kommunikationschance für die Jagd wurden von DI Gorton einfach ignoriert und brüskiert.

In dieser Phase gab es auch klare Hinweise, dass viele Landesverbände die eigens gegründete Dachmarke als eine Art Konkurrenz empfanden und diese überhaupt nicht als Stimme der Jagd in Österreich sehen wollten. Unter diesem Aspekt und wegen dem absehbaren Schaden an der neuen Dachmarke und am eigenen Sender JagdundNatur.TV hat Hannes Krautzer - durch den Druck der Umstände vielleicht ein wenig scharf formuliert, aber sachlich mittlerweile mehrfach bestätigt - in einer Sendung "KlarText" versucht, die Verantwortlichen noch einmal aufzurütteln und damit die Widmung der Dachmarke "Jagd Österreich" und den erfolgreich aufgebauten TV Sender JagdundNatur.TV zu retten.

Dieser Versuch war vergeblich und ist am zunehmend sichtbar gewordenen "neuen" Föderalismus der LJM und an heftigen Animositäten, wer denn das Recht hat über die Jagd zu berichten, gescheitert.

Nachdem am 28.1.2019 bei der LJM Konferenz vor dem Jägerball ein letzter Versuch einer Lösung - wiederum ohne jede Verhandlung mit JagdundNatur.TV - von den LJM abgelehnt wurde, war auch klar, dass das strategische Ziel die Vernichtung von JagdundNatur.TV war. Nach letzten gescheiterten Verhandlungen mit möglichen Interessenten musste am 3.4.2019 nicht nur JagdundNatur.TV die Insolvenz anmelden, auch die Produktionsfirmen, die das Medium über ein Jahr ohne Einnahmen weiter finanziert hatten, um es zu bewahren, mussten den Weg in die Insolvenz antreten, da alle Rechnungen nicht mehr einbringlich waren.

Anmerkung des Herausgebers:
Dieses Scheitern, diese Zerstörung einer großen Chance für die Jagd, aus ihrer selbstverschuldeten Wahrnehmungsecke heraus zu kommen und von einer breiteren Öffentlichkeit akzeptiert und geachtet zu werden, wirft den Fokus auf die völlig verfehlte und unzeitgemäße Vertretung jagdlicher Interessen in Österreich. Absolutistisches Machgehabe und eitler Provinzialismus muss im Interesse aller anständigen Jägerinnen und Jäger verhindert und neu organisiert werden. Die Finanzgebarung der Landesjagdverbände hat transparent und öffentlich durchleuchtet zu werden. Geplante Millionenprojekte zur Selbstdarstellung von Landesjägermeistern in ihrem lokalen Umfeld sind zu hinterfragen und zu überprüfen. Das Desaster der Dachmarke Jagd Österreich und das damit vernichtete materielle und immaterielle Kapital erfordert eine unabhängige Untersuchung, denn es sind die Mitgliedsbeiträ ge der Jäger, die hier verwaltet und vergeudet wurden. Es haben endlich modere Vertretungsstrukturen geschaffen zu werden, professionelle und hauptberuflich Verantwortliche haben der Jagd als Manager vorzustehen und dürfen nicht länger von ehrenamtlichen Funktionären interessenspolitisch entmündigt werden. Jedes Mitglied, jeder Jäger muss direkt die Möglichkeit haben, für seinen Beitrag auch sein Stimmrecht auszuüben. Und die (in etwa sieben) Landesjäger nach altem Geist haben einfach zu gehen. Sie schaden mit ihrem historisch verzweigten Netzwerk der egoistischen System-Nutznießer tatsächlich der Jagd. Nachhaltig und irreversibel.
JagdundNatur.TV wird diesen notwendigen Prozess nicht mehr begleiten können, wird nicht mehr darüber berichten können. Aber es werden Neue aufstehen, aufrechte junge Jäger, die nicht länger wegsehen und selbst KlarText reden. Und sie werden die Verantwortung für den jahrzehntelang verhinderten und blockierten Veränderungsprozess der Jagd in Österreich übernehmen. Denn nur dann wird diese wunderbare Tradition eine Chance haben, auch von den Folgegenerationen in Achtung ausgeübt zu werden.

Der Herausgeber und Miteigentümer von JagdundNatur.TV Hannes Krautzer ist persönlich ebenfalls von dieser Zerstörung betroffen und durch Haftungen wirtschaftlich ruiniert. Dennoch steht er für Rückfragen ab sofort unter seiner neuen Blogadresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! zur Verfügung.

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Stefan Fügner

Mitbegründer des Deutschen Jagdportals - mehr über Stefan unter TEAM

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