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Mittwoch, 31 Mai 2017 12:33

Die Vorsitzende des Vereins "Rehrettung Hegau-Bodensee e.V.", Frau Barbara Schmidle, im Interview mit dem Deutschen Jagdportal über die Kitzrettung durch Copter und Wärmebildkamera Empfehlung

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Jagdhorn

Deutsches Jagdportal:
Liebe Frau Schmidle, zunächst einmal recht herzlichen Dank, dass Sie sich in der Zeit der Kitzrettungen im Mai die Zeit genommen haben, mit uns ein Interview zu führen.
Wann wurde die Rehrettung Hegau-Bodensee e.V. als Verein gegründet und wer waren die Gründungsväter?

Frau Barbara Schmidle:
Der Startschuss für die Rehrettung Hegau-Bodensee e.V. fiel im November 2015. Der Gründung ging jedoch eine mehrmonatige Vorbereitungsphase voran. In dieser Zeit stand insbesondere die Frage der technischen und finanziellen Realisierbarkeit im Mittelpunkt. Dieter Prahl, Dr.Wolfgang Weiss, Andreas Hammer, Susanne Bernhardt, Gisela Lejeune Härtel und meiner Person gelang es schließlich alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Wir sind weder Jäger noch Landwirte und auch nicht im Tierschutz aktiv, hatten aber alle schon mal in unterschiedlicher Weise Erfahrungen mit vermähten Kitzen gemacht. Dies hat uns zu der Idee der Vereinsgründung bewogen.

Deutsches Jagdportal:
Welche Unterstützung erhielten Sie von den Naturschutzverbänden auf regionaler Ebene und von bundesweit agierenden Naturschutzverbänden?

Barbara Schmidle:
Auf der Suche nach Unterstützung hatten wir unseren Focus lediglich auf den regionalen Bauern- und Jagdverband gerichtet. Dies hat sich im Nachhinein als erfolgreiche Strategie herausgestellt, denn die Zusammenarbeit zwischen Jägern, Landwirten und Rehrettung funktioniert sehr gut.

Deutsches Jagdportal:
Wieviele aktive, bei der Kitzrettung arbeitende Vereinsmitglieder, haben Sie momentan im Einsatz?

Barbara Schmidle:
Derzeit sind rund 10 ehrenamtliche Helfer mit unterschiedlichen Funktionen in die aktive Kitzrettung eingebunden. Im eigentlichen Rettungseinsatz haben wir zwei Teams, die jeweils mit Copter und Wärmebildkamera ausgerüstet sind. Diese Teams bestehen aus dem Piloten, einer Person die die Bilder der Wärmebildkamera auswertet und dem entsprechenden Jagdpächter. Häufig ist auch der betroffene Landwirt zugegen. Alle weiteren Helfer sind für die Koordination der Einsätze verantwortlich und stehen als Ersatzteam zur Verfügung.

Deutsches Jagdportal:
Mit dem zunehmenden Einsatz von Drohnen und Wärmebildkamera rückt ihr Verein in den Mittelpunkt einer völlig neuen vor allem hocheffizienten Tierschutzmaßnahme. Seit wann sind bei Ihnen diese Geräte im Einsatz?

Barbara Schmidle:
Wir setzen die Technik bereits in der zweiten Mähsaison ein und sind über deren Möglichkeiten immer noch begeistert. Es gibt noch Verbesserungsmöglichkeiten, aber unsere technischen Erwartungen wurden weitestgehend erfüllt.

 

Jagdhorn

 

Deutsches Jagdportal:
Wieviele dieser Geräte beabsichtigen Sie in den nächsten Jahren anzuschaffen und ergeben sich durch diese Neuerung neue Tätigkeitsfelder für Ihren Verein?

Barbara Schmidle:
Abhängig von den finanziellen Mitteln des Vereins, planen wir in den kommenden Jahren weitere Systeme anzuschaffen. Unabhängig davon, arbeiten wir aber auch intensiv daran, unsere Erfahrungen mit anderen Interessierten zu teilen, umso die Idee möglichst schnell zu verbreiten. Hierzu möchten wir mit unserer Arbeit erfolgreich beitragen.
Wir können uns vorstellen, dass System künftig auch für andere Zwecke einzusetzen. Anfragen diesbezüglich stehen wir offen gegenüber. In den kommenden Wochen soll beispielsweise ein Test im Bereich der Wasserrettung stattfinden. Aktuell liegt unser Schwerpunkt aber bei der Kitzrettung und damit haben wir alle Hände voll zu tun.

Deutsches Jagdportal:
Diese Drohnen zur Kitzrettung sind in aller Munde. Viele Jäger fragen nach der Bauart der Drohne und der Wärmebildkamera. Können Sie den Jägern, die solche Geräte anschaffen wollen, einige Tipps geben?

Barbara Schmidle:
In vielen Einsätzen konnten wir die Funktionalität des fliegenden Wildretters eindeutig belegen. Somit können wir interessierten Jägern die Anschaffung uneingeschränkt empfehlen. Auch hat die Benutzerfreundlichkeit zugenommen und mit etwas Übung ist die Drohne samt Wärmebildkamera leicht zu bedienen. Allerdings gilt es zu berücksichtigen, dass das System derzeit nur in den frühen Morgen – oder Abendstunden sinnvoll verwendet werden kann. Nach unseren Erfahrungen ist der Einsatz bei intensiver Sonneneinstrahlung wenig effizient. Eine gute Kaufberatung ist überdies unerlässlich. Die Wärmebildkamera sollte dabei das entscheidende Systemelement sein. Außerdem werden je nach Einsatzdauer zusätzliche Akkus benötigt. Eventuell ist auch ein zusätzlicher Bildschirm oder Brillen mit entsprechendem Display sinnvoll. Wir nutzen ein System des Herstellers Yuneec(www.yuneec.com ) ca. 4.000,00 Euro und eines von DronExpert für ca. 10.000 € (www.dronexpert.nl). Einige Anbieter bieten auch Schulungsangebot für den Umgang mit dem Copter an. Technische Hilfe oder auch Piloten samt Copter kann man außerdem auch bei Modelsportfreunde finden. Grundsätzlich sollte ein System aber rechtzeitig angeschafft werden, sodass genügend Testflüge möglich sind.

Deutsches Jagdportal:
Die Ergebnisse der bisher geretteten Kitze bei Dohneneinsätzen sprechen eine deutliche Sprache. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, dass Landwirte vor dem Mähen zur Kontrolle durch Drohnen verpflichtet werden. Wie sehen Sie die Kitzrettung in der Zukunft ?

Barbara Schmidle:
Das Problem ist mittlerweile in der Öffentlichkeit angekommen und insbesondere Landwirte, werden sich diesem Thema zukünftig annehmen müssen. Die Copter- und Wärmebildtechnik bietet hierfür eine mögliche Lösung. Zumal die Gerätepreise auch weiterhin fallen dürften. Aufgrund des engen Zeitfensters während der Mähsaison braucht es aber eine erhebliche Anzahl von Systemen um die Wildrettung flächendeckend garantieren zu können. Dies kann aus unserer Sicht nur gelingen, wenn sich weitere Verbände, Institutionen oder Privatpersonen ebenfalls engagieren. Fraglich bleibt aber, ob der Gesetzgeber den Einsatz von Coptern in manchen Bereichen anderweitig regulieren wird.
Für die Zukunft wünschenswert und besonders effizient, wären technische Lösungen, die landwirtschaftliche Maschinen in das bestehende Kitzrettungssystem einbinden könnten. Überlegungen diesbezüglich gibt es schon. Ob und wann dies realisiert werden kann ist aber noch völlig offen.

Deutsches Jagdportal:
Wo können sich Jäger, die auf regionaler Ebene eine ähnliche Institution gründen wollen, informieren?

Barbara Schmidle:
Leider ist uns derzeit keine Stelle bekannt, die zu diesem Thema hinreichend Informationen sammelt oder bereithält. Gerne können Interessierte aber auch zu unserem Verein Kontakt aufnehmen. Hier die Anschrift des Vereins
Herzlichen Dank, dass wir unsere Arbeit im Rahmen dieses Interviews vorstellen durften.
Die Rehrettung Hegau-Bodensee e.V.  http://www.rehrettung-hegau-bodensee.de/

Jagdhorn

Deutsches Jagdportal:
Liebe Frau Schmidle, wir danken Ihnen für dieses Interview

Gelesen 1471 mal Letzte Änderung am Freitag, 02 Juni 2017 20:11
Stefan Fügner

Mitbegründer des Deutschen Jagdportals - mehr über Stefan unter TEAM

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