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Montag, 01 Januar 2024 13:15

Jägerboom in der Kritik: Wo sollen all die jungen Jäger nur hin? Kommentar des Vorsitzenden des Jagdverein Lehrprinz e.V. Empfehlung

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Der Vorsitzende des Jagdverein Lehrprinz e.V., Stefan Fügner, nimmt Stellung zum Artikel von Klaus Dammann-Tamke  "Jägerboom in der Kritik: Wo sollen all die jungen Jäger nur hin? 

Zunächst einmal sollten alle Jäger froh sein, dass ein Jagdfunktionär das Thema Jungjägerschwemme und -ausbildung überhaupt anspricht. Dieses Thema der praktischen Jungjägerausbildung nach der Jägerprüfung rückt erst jetzt durch die sprunghaft angestiegenen Jungjägerzahlen in den Mittelpunkt der Diskussion, obwohl die Problematik fehlender praktischer Ausbildung schon seit vielen Jahren existiert und von den Verbänden in der Regel vollständig ignoriert wird.

Als Vorsitzender des Jagdverein Lehrprinz e.V., der nun seit 15 Jahren Jungjäger in der praktischen Jagd ausbildet, möchte ich zu dem Artikel des Herrn Klaus Dammann-Tamke und zu den Kommentaren zu diesem Artikel in den verschiedenen sozialen Medien Stellung nehmen.

Das soziale Milieu der Jungjäger heute

Die genauere Untersuchung der Herkunft der Jungjäger, die den Boom der letzten Jahre auslösen zeigt, dass fast alle Jungjäger, die den Zuwachs ausmachen, häufig  keinerlei familiären Hintergrund zur Jagd haben. Nur wenige Jungjäger  können auf eine Verwandtschaft mit Jagdmöglichkeit zurückgreifen, was die Problematik der fehlenden praktischen Ausbildung massiv verstärkt. Das Problem ist also nicht neu, es wird nur durch den Zuwachs massiv verschärft. Zudem kommen viele Jungjäger heute auch verstärkt aus dem städtischen Milieu weil es sie raus in die Natur zieht. Ein lokales Netzwerk, das es ihnen ermöglichen könnte regional jagdlich Fuß zu fassen, fehlt ihnen gänzlich. Bereits vor 10 Jahren, am 21.10.2013 hatte ich auf diese sehr unterschiedlichen Milieus (jagdlich/gesamtgesellschaftlich) in dem Artikel Jagd- und Naturschutzverbände- Eine gesellschaftliche Milieustudie hingewiesen, der auch in der drauffolgenden Woche in der Printausgabe des Jagdmagazins Pirsch veröffentlicht wurde.

Junger Jäger blickt suchend in die Ferne

Die praktische Jungjägerausbildung und die Jägerschaften

Fast die gesamte praktische Jungjägerausbildung nach bestandener Jägerprüfung wird durch ein verwandtschaftliches Netzwerk aus Eltern, Onkeln, Opas und anderen Verwandten und Freunden erbracht. Hier kann der Jungjäger auf der Basis der verwandtschaftlichen oder freundschaftlichen Verbundenheit das Waidwerk in deren Revieren erlernen.

Die praktische Jungjägerausbildung nach der Jägerprüfung folgt eben nicht, wie oft an Jägerstammtischen erzählt, durch Mitglieder der Jägerschaften. Dort werden beitragszahlende Mitglieder und ehrenamtliche Helfer gesucht, eine strukturierte praktische, vor allem professionelle Ausbildung zum erfahrenen Jäger bietet meines Wissens bis heute keine Jägerschaft an. Gerne lasse ich mich diesbezüglich mit Freude eines besseren belehren... Alle Jungjäger, die wir über den Jagdverein Lehrprinz in der Vergangenheit ausgebildet haben, berichteten uns von ihren erfolglosen Versuchen, über Hegeringe oder Jägerschaften den Einstieg ins aktive Jagen zu schaffen. Wenn sich dort eine Möglichkeit ergibt, so steht diese nur regional verwurzelten Jungjägern offen, der Jungjäger ohne regionale Kontakte geht leer aus.

Aus meiner Sicht fehlt es hier den Jägerschaften einerseits am wirkliche Willen, routinierte Jäger auszubilden und vor allem aber fehlt es an den Möglichkeiten der praktischen Ausbildung, weil geeignete Reviere fehlen. Die regelmäßige Teilnahme an Hegeringstammtischen und Mitgliederversammlungen ohne konkrete Jagdmöglichkeiten mit endlosen Diskussionen um Hege und Weidgerechtigkeit ohne praktische Jagdausbildung erhöht den Frust. Die Jungjäger wenden sich irgendwann von den Jägerschaften ab und suchen ihr Heil außerhalb der Jagdverbände.

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Was muss die praktische Jungjägerausbildung heute leisten?

Anstatt sich über den enormen Zuwachs an naturinteressierten jungen Leuten mit einer hohen Quote an jungen Mädchen zu freuen, stöhnen die Funktionäre über die nun anstehende Mehrarbeit und sehen nur Probleme. Allerdings ist diese Sorge nicht unbegründet, fehlt es doch an einem schlüssigen Konzept für eine großflächige vor allem strukturierte Jungjägerausbildung in der heutigen Zeit, sollen diese Jungjäger doch irgendwann treu zahlende Verbandsmitglieder werden.

Lehrrevier der Schlüssel zur Jungjägerausbildung

Zunächst beginnt jede Jungjägerausbildung mit einem geeigneten Revier. Hier liegt auch der eigentliche besagte Hase im Pfeffer. Die meisten Genossenschaftjagden in Deutschland sind mittlerweile derart oft geteilt worden, dass die meisten von ihnen schon von Ihrer Größe her zur Jungjägerausbildung ungeeignet sind. Fast alle Versuche von ambitionierten Altjägern, sich der praktischen Jungjägerausbildung anzunehmen, sind am fehlenden Revier gescheitert.

Hirsch steht vor einem Hochsitz

Ansprech- und Schussroutine formt den professionellen Jäger

Das Wichtigste, das ein Jungjäger in den ersten 3 Jahren der Ausbildung erlernen muss und für sein späteres Jagdleben benötigt, ist Schuss- und Ansprechroutine. Nur diese beiden Fähigkeiten sind der Schlüssel zu einem fähigen Jäger. Wir Jäger üben das Jagen als Hobby aus, aber wir dürfen uns in der Öffentlichkeit nicht als unprofessionelle Freizeitjäger präsentieren, denen es an der Routine bei der praktischen Jagdausübung fehlt. Wer die kritischen Artikel in den Medien zur Jagd aufmerksam liest, wird immer wieder feststellen, dass fehlende Routine bei der Ausübung der Jagd die Basis der Kritik an der Jagd sind, nicht das reine Töten von Tieren. Militante Tierschützer einmal ausgenommen.
Alleine aus diesem Grund kommt in Zukunft der Ausbildung zur praktischen Jagdausübung mit dem Ziel eines professionellen Jägers eine Schlüsselposition zu!

Kommunikation ist die Basis einer erfolgreichen Jagdausbildung

Aus meiner nun jahrzehntelangen Erfahrung der praktischen Jungjägerausbildung aber kommt der Kommunikation vor und nach dem Ansitz, beim Abendessen, zum Jägerfrühstück und bei Reviergängen mit den Jungjägern eine Schlüsselfunktion zu.

Der Jungjäger, oft naturentfremdet, taucht in die Natur ein und benötigt einen erfahrenen Naturmenschen, mit dem er das Erlebte nach dem Ansitz oder bei Reviergängen besprechen kann. Viele Naturerlebnisse – nicht nur die Erlegung- bleiben ohne Gespräch mit einem erfahrenen Jäger unverarbeitet und somit ungenutzt zurück, werden sie in einem Gespräch nicht verarbeitet. Natürlich müssen Jungjäger in unserer Ausbildung von der Bergung und dem Aufbrechen, bis zur Einlagerung im Kühlraum und über das Zerwirken und das Braten alle Verarbeitungsschritte mitmachen bzw. daran teilnehmen. Auch die Teilnahme an Revierarbeiten, wenn es sich anbietet, sollte obligatorisch sein. Keiner aber, der in seiner Freizeit die Jagd ausübt, muss alle diese Bereiche der Jagd, mit Ausnahme der Erlegung von Tieren, bis zur absoluten Perfektion beherrschen.

Zusammenfassung

Wir sind in erster Linie Jäger, die professionell und sicher jagdbare Tiere schnell und tierschutzgerecht zur Strecke bringen. Auf das Erlernen dieser Tätigkeit hat sich die professionelle Jungjägerausbildung zu konzentrieren. Alle anderen Punkte wie Verarbeitung oder Revierarbeiten sind eher Nebensache. Konzentieren sich die Jäger aber in Zukunft  bei der Jungjägerausbildung auf die wesentliche Punkte der Routine beim Ansprechen und beim Schuss, dann hat auch die Jagd bei zunehmender Naturentfremdung der Bevölkerung eine Chance.

Waidmannsheil

Euer

Stefan

Telefon: 0178 6141856

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Schleswig-Holstein: Staupe bei Füchsen nachgewiesen

 

Gelesen 4723 mal Letzte Änderung am Dienstag, 02 Januar 2024 17:33
Stefan Fügner

Mitbegründer des Deutschen Jagdportals - mehr über Stefan unter TEAM

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